Abendessen im Gefängnis

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Abendessen im Gefängnis

Es war ein kleines Weihnachtsgeschenk von mir an meinen Mann: ein Abendessen im Gefängnis! Nun mag der Ein oder Andere denken, dass es sich hierbei um einen Scherz handelt, das war es aber nicht. Seit einigen Jahren werden in den Wintermonaten, ca. 1 Mal im Monat, hinter den mittelalterlichen Gefängnismauern, einer ehemaligen Medici-Festung in Volterra Abendessen organisiert. Aufmerksam wurde ich darauf vor einiger Zeit durch ein Special im italienischen Fernsehen sowie sah ich auch einen Bericht in irgendeinem deutschen Fernsehkanal. Bei Cene Galeotte in Carcere kommen Köche aus ganz Italien, um gemeinsam mit den Insassen ein Abendessen nach Thema zuzubereiten.

Das Gefängnis aus dem Jahre 1474 in VolterraDie Lebensmittel werden von einer namhaften Supermarktkette gespendet, während die Weine meist von toskanischen Winzern stammen. Der Erlös dieser Abende geht an eine Wohltätigkeitsorganisation. Neben einem wohltätigen Zweck dienen diese Abende auch den Gefängnisinsassen selbst, die dort „rehabilitiert“ werden und langsam wieder auf den Einstieg in das Leben nach der Haft vorbereitet werden sollten. Einige der Insassen arbeiten bereits als Kellner, Küchenhilfe o.ä. in Volterra. Bei dieser Gelegenheit haben sie die Möglichkeit ihr Können unter Beweis zu stellen sowie den Gefängnisalltag zu vergessen, indem sie Kontakt zu Nichtinsassen haben. Ein besonderer Abend, außerhalb der Norm für alle, Insassen und Besucher.

Auf der offiziellen Webseite www.cenegaleotte.it findet man das Programm mit den Daten der Abendessen. Ich hatte für uns das Datum des 20. Januars ausgesucht, da an diesem Abend sehr interessante Weine auf dem Programm standen: die Weine der Tenuta Argentiera aus Bolgheri. Für die Reservierung war es nötig, die persönlichen Daten der Teilnehmer zuzusenden. An diesem Abend sollten drei bekannte, in der Gastronomie tätigen, Persönlichkeiten aus Florenz mit den Gefängnisinsassen ein komplettes Menü zubereiten. Es handelte sich hier um Andrea Bianchini der Bottega del Cioccolato in Florenz, Giuseppe Calabrese, Journalist und Restaurantkritiker der Tageszeitung La Repubblica, Alessandro Frassica, Besitzer des ‘Ino, einer Paninoteca mit berühmten, sehr speziellen Snacks in Florenz.

Aperitiv im GefängnishofDie künstlerische Leitung hatte der Journalist und Restaurantkritiker Leonardo Romanelli, dem Italiener als solches insbesondere aus dem Fernsehen bekannt. Ich war sehr neugierig, was uns erwartete, denn wir wussten nicht im Voraus, was für ein Menü für diesen Abends wurde. Aufgrund des Winzers aus Bolgheri, der bekannt für seine eleganten Rotweine ist sowie dem „Cioccolatiere“ Andrea Bianchini als Koch, fürchtete ich bereits, dass wir Tagliatelle al Cioccolato essen würden.

Einlass ins Gefängnis war ab 19.30 und um 20 Uhr sollte das Abendessen beginnen. Wer an diesem Abendessen teilnimmt, der sollte es sich gönnen, bereits am Nachmittag in Volterra einzutreffen, um somit in den schönen Gassen bummeln zu können. Jetzt im Winter waren dort nur Einheimische vorzufinden, völlig anders als während der Sommermonate, aber sehr besonders.

10antipasto-tramezzinoAls wir um kurz nach halb acht am Hochsicherheitsgefängnis eintrafen, mussten wir am Eingang den Ausweis hinterlegen sowie Taschen und jegliche weiteren Gegenstände (ausgenommen Papiertaschentücher) wegschliessen. Einzig und allein durften wir unsere Jacken anbehalten, denn die würden wir noch brauchen!? Nach der Durchfilzung wurden wir dann zur Gefängnisbar geleitet, die als Sammelstelle für die 150 Gäste dienen sollte. Nachdem alle eingetroffen waren, wurden wir nach draußen, durch die Kälte geleitet (daher auch die Erlaubnis unsere Jacken mitzunehmen!) und gingen über mehrere Höfe und schwere Tore, bis wir schliesslich einen Hof mit Kerzenbeleuchtung ausmachen konnten. Als wir durch das Tor dieses Hofes schritten empfing uns einer der Häftlinge freundlich mit den Worten: Benvenuti al ristorante dietro alle mille sbarre, was übersetzt heisst: herzlich Willkommen hinter den tausend Gittern. Im Hof war auch das Aperitiv angerichtet.

An v14insalata-risoerschiedenen Tischen wurden von den Insassen  Häppchen in Begleitung von Prosecco serviert, wobei man erste Möglichkeiten hatte, mit den Insassen bzw. anderen Teilnehmern zu plaudern. Danach wurden wir durch ein weiteres schweres Tor in eine Gasse geleitet, in der sich die ehemalige Kapelle befindet. Es war sehr eindrucksvoll und man hatte das Gefühl durch einen mittelalterlichen Ort zu gehen. Als wir die Kapelle betraten, erwarteten uns freundlich gedeckte Tische und angenehmer Kerzenschein. Das Gedeck war wie in jedem anderen Restaurant, allerdings wurde aus Sicherheitsgründen auf normales Edelstahlbesteck verzichtet und es gab Plastikbestecke.

Nach kurzer Begrüßung vonseiten der Gefängnisdirektorin sowie den beteiligten Veranstaltern, wurde mit dem Servieren der Antipasti begonnen, eine Variazione del Tramezzino (eine Sandwich-Variation), gefolgt von einem Soufflé di Ricotta in Caponatina, ein Ricotta-Soufflé mit einer Auberginen-Tomatensauce. Wir wussten bereits, dass es ein sehr klassischer Abend, con un tocco speciale, werden würde, was man auch von der Karte sehen konnte. Die beiden Antipasti waren sehr gut und passten hervorragend zum frischen Weißwein Poggio ai Ginepri Bianco IGT 2010. Beide Antipasti hatten als gewisses Etwas wohl ein wenig Zimt, was hervorragend mit den Gewürznoten des Weines harmonierte.

Danach ging es weiter mit denAbendessen Primi Piatti, dem ersten Gang, bestehend aus einem warmem Reissalat, in Form eines mit Gemüse und Tomatensauce gefüllten Reisbällchens, sehr schmackhaft, der mich sehr an die sizilianischen Arancini erinnerte, gefolgt von einer Interpretazione della Lasagna, beide auch hier wieder mit dem gewissen, fast nicht erkennbaren, Touch von Zimt. Begleitet wurden diese Gerichte vom Roséwein Poggio ai Ginepri Rosato DOC Bolgheri 2010.  Ein würzig-fruchtiger Wein, dessen Abgang einen angenehmen Geschmack von Waldfrüchten hinterliess.
Als Hauptgericht stand auf der Karte Grigliata al caffé con spuma di patate. Hierbei handelte es sich um Grillfleisch, welches vor dem Grillen wohl in Kaffeepuliver gewendet wurde. Zwar war das Fleisch sehr zart und lecker, allerdings erwies sich die Kaffeemarinade für meinen Geschmack als sehr schwer. Hier wäre es für mich wünschenswert gewesen, für die Marinade weniger Kaffee zu nutzen und eventuell mit etwas Rosmarin anzureichern, was sehr gut mit dem Poggio ai Ginipri Rosso DOC Bolgheri 2009 harmoniert hätte.

StaffNun waren wir schon fast am Dessert angelangt, daher gab es ein Predessert, ein Mousse au Chocolat mit knusprigem Gemüse und fünf Gewürzen. Trotz Schokolade und Gemüse, war diese Kreation sehr gelungen, sodass ich noch eine 2. Portion genoss. Auch hier, der Tocco Speciale mit Zimt. Zum Abschluss, eine lauwarm servierte köstliche Torta di mele,  ähnlich einem Apple Crumble.

Es war ein sehr gelungener Abend, in einem ganz speziellen Ambiente. Unsere Kellner, die Häftlinge, waren sehr professionell und man merkte, dass sie wirklich alles und von ganzem Herzen gaben. Alles in Allem eine sehr gelöste Stimmung, dass man überhaupt nicht bemerkte, wo man sich befand. Einer der Kellner machte einen solch zufriedenen und glücklichen Eindruck, dass mein Mann „freundlicherweise“ zu seinem Besten gab, dass er bestimmt wegen seiner Frau hier wäre und er deshalb so glücklich sei. Daraufhin meinte eine Tischnachbarin, dass der Grund auch die Schwiegermutter hätte sein können… Hierauf kann ich nur erwidern, dass ich meinem Mann nicht ohne Grund ein Abendessen im Gefängnis geschenkt hatte!

Interessante Links:

Un particolare ringraziamento per le fotografie a Nicola Utzeri dello Studio Umami.

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Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

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