Wahlen in Italien
26 Februar, 2013
Eigentlich sollte dies kein politischer Blog sein, allerdings ist Toskanaitalien ein Blog, der über das Leben in der Toskana bzw. in Italien handelt, eigentlich eher die schönen, positiven Seiten, la dolce vita beschreibt. Allerdings muss man auch manchmal die weniger schönen Aspekte beschreiben, die Aspekte della vita reale, spesso un po’ più amara (dt. die Aspekte des wahren, oftmals etwas bittereren Lebens) im Belpaese… Schon einige Male habe ich in der Versuchung gestanden, einen Artikel zu schreiben, um das perché, das “Warum” einiger Situationen aus der Sicht eines normalen Bürgers zu beschreiben, es aber sein lassen. Allerdings, ausgerechnet gestern, an meinem Geburtstag war der letzte Wahltag und somit auch der entscheidende Tag für die Zukunft Italiens und in einem gewissen Sinne auch Europas. Für diesen Tag hatte ich mir eigentlich nichts sehnlicher gewünscht, als dass das Wahlergebnis anders ausfallen würde. Ich hatte ehrlich gesagt bereits im Vorfeld ein wenig Angst, dass es zu dem Punkt kommen würde, zu dem es schließlich gekommen ist, auch wenn man niemals erahnt hätte, dass die 5-Sterne Bewegung so viele Stimmen erhalten sollte. Wie sollte es auch anders sein, erhielt ich Anrufe auf Deutschland, bei denen man jedesmal auf die Wahl zu sprechen kam, auf Beppe Grillo, den Leader des Movimento Cinque Stelle (5-Sterne Bewegung) und auf Berlusconi… Die normalerweise üblichen Schnellgratulationstelefonate verlängerten sich mit Erklärungen. Daher nun dieser Artikel einer deutschen, in Italien lebenden Staatsbürgerin, die dadurch, dass sie Deutsche ist, keine steuerlichen Erleichterungen hat und somit das normale Leben, mit allen Ecken und Kanten lebt, wie es auch der Italiener tut.
Wer ist Beppe Grillo?
Beppe Grillo hat seine populistische 5-Sterne Bewegung vor etwa 5 Jahren ins Leben gerufen. Insbesondere von Berlusconi vom Bildschirm verbannt, da – um es einmal so auszudrücken – zu regime-kritisch, füllte Herr Grillo Sportplätze, öffentliche Plätze sowie Hallen in ganz Italien. Er machte auf eine lustig-markante Art und Weise auf die Mißstände in Italien aufmerksam, erklärte auf geniale Weise, für jeden verständlich, politische und wirtschaftliche Verstrickungen, welche dem Volke meist anders und insbesondere appetittlicher verkauft wurden. Ich mag mich erinnern, dass er bereits vor dem Parmalat-Crack darauf aufmerksam machte. Lange verurteilte er die casta politica e delle banche und brachte einfach zum Ausdruck, dass selbst, wenn der Italiener wählen geht, man gegen diese eigentlich nichts tun kann. Selbst durch Neuwahlen (siehe jene 2008, seine Folgen und Monti-Regierung), eine neue Regierung, bleiben die Italiener immer in den Fesseln der alten Regierungsmänner, die in einem System groß geworden sind, das einfach sehr in seiner Funktion, an das von mafiösen Strukturen erinnert. Wie soll sich auch in all den Jahren nach Mani Pulite und Tangentopoli etwas geändert haben, wenn die Männer, die damals regierten bzw. involviert waren, noch heute da sind, bestimmen und regieren?
Was ist Movimento 5 Stelle?
Die populistische 5-Sterne Bewegung, sprich Movimento 5 Stelle (Sprich: Mowimento Tschinque Stelle) hat in den vergangenen Jahren und insbesondere im letzten Jahr immer mehr Anhänger finden können, insbesondere auch, dank des jederzeit erreichbaren Beppe Grillo Blogs sowie Grillos zahlreichen Auftritten über den Stiefel verteilt, ohne die Hilfe des Fernsehens. Bereits bei einigen Kommunalwahlen im letzten Jahr waren die Grillini ein großer Erfolg. Parma hatte gar als erste und sogar nord-italienische Stadt einen Bürgermeister der 5-Sterne-Bewegung. Auch in Sizilien, der Hochburg von Mafia und Pizzo, war die 5-Sterne-Bewegung ein riesiger Erfolg. Hier bewiesen die Grillini, dass man es auch anders machen kann als die anderen italienischen Politiker, die einen Taschenträger (Portaborse), einen Dienstwagen mit Chauffeur u.v.m. haben, vom Tanga, bis hin über Schampus alles als Ausgaben abrechnen oder der Geliebten einen Job verschaffen, ohne dass sie etwas dafür tun muss, ausser eine Rechnung auszustellen. Sie haben alles, was über dem Grenzbetrag von € 2.500 war in eine Kasse gegeben und mit diesem Geld bedürftigen Unternehmern oder auch Privatpersonen so genannte Microcrediti, dh. Kleinkredite verschafft.
Während des Wahlkampfes wollte Herr Grillo beweisen, dass man auch ohne die Verschwendung der Steuergelder einen Wahlkampf bestreiten kann und hat somit seine Tsunami-Tour ins Leben gerufen, welche inklusive Blog zur aktuellen Tsunami-Situation geführt hat. Das eigentliche Ziel war nicht zu gewinnen bzw. eine PD oder PDL zu übertrumpfen sondern das Volk in den Senat bzw. in das Abgeordnetenhaus einziehen zu lassen und ihm somit seine Stimme zu geben, die der Italiener in den letzten Jahren nicht hatte. Im Gegenteil, es wurde geraubt und ausgenommen, was das Zeug hielt und dem normalen, steuerzahlenden Bürger wurden die Steuern erhöht bzw. wurde gemahnt nichts schwarz zu machen, wobei jene Mahner oftmals den größten Dreck am Stecken hatten! Das schlimme war, man konnte nichts dagegen tun. Wird man in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern bereits beim kleinsten Verdacht zum Rücktritt gezwungen, hat man hier die Möglichkeit – dank vecchia casta politica – weiterzumachen.
Dank Berlusconi konnten hirnlose, Lippen aufgespritzte und Silikon-Busenikonen ins Parlament einziehen, die mehr mit ihrem IPhone zu spielen schienen als an Debatten teilzunehmen und wohl hofften, dass eine gewisse Masse, wenn auch Silikon, wohl doch zu einer gewissen Intelligenz beitragen würde. Diese hatten neben einem enorm hohen Verdienst sogar das Recht erworben, ab einem Tage Anwesenheit im Parlament, auf eine 4- oder 5-stellige, lebenslange Rente, während viele exzellente Studienabgänger erst gar keinen Job fanden oder diesen dank Krise verloren bzw. die armen Rentner überhaupt nicht wissen, wie sie bis ans Monatsende kommen sollen. Daher muss es nicht wundern, wenn eben diese Superhirne einfach nur wütend sind und nun mit Grillo gegen das seit Jahrzehnten andauernde Casta-Regime kämpfen.
Schließlich kam im letzten Jahr, während der Monti-Regierung und dem Wissen, dass alsbald gewählt werden würde, etwas frischen Wind in das linke Lager der PD, der den Namen Matteo Renzi trug. Matteo Renzi ist seit einigen Jahren Bürgermeister von Florenz, einer, sagen wir einmal sehr modernen Stadt, deren Unternehmer eher rechts angelegt sind, während ansonsten in der Toskana ursprünglich links gewählt wird. Hier gewann dieser sehr redegewandte “Jungspund” im Jahre 2009 die Wahlen gegen den sehr berühmten, ehemaligen Fussballspieler Giovanni Galli. Renzi wurde im Jahre 2011 berühmt, als er die rottamazione dei politici (Verschrottung der Politiker) verlangte. Bei seinen alten Genossen sowie der angehörigen der Oppositionsparteien stieß er auf scharfe Kritik, während die Italiener dem Florentiner einfach nur Recht gaben. Dies war der Aufschwung Matteo Renzis. Fortan wurde er ständig im Fernsehen gezeigt, der lustig, schnoddrige, symphatische und irgendwo ehrliche Kerl, der langsam immer mehr Konsenz sowohl von rechts als auch von links erhielt. Bereits als der ruhige Monti die Zügel Italiens in die Hand nahm, wünschten sich viele Italiener einen Matteo Renzi. Er wusste aber, dass er sich nun hochkämpfen musste, was er auch tatsächlich in den Folgemonaten tat. Als im Herbst die PD (Abk. für Partito Democratico) allerdings zur Wahl für seinen Regierungskandidaten aufrief, musste Renzi leider den Kürzeren ziehen. Italien (rechts und links) hätte ihn liebend gerne als seinen nächsten Premierminister gesehen, allerdings konnte hier nicht ganz Italien entscheiden sondern nur jene, die in der Partei waren. Nur mit der Tessera del Partito, der Mitgliedskarte der Partei konnte man an den Wahlen teilnehmen. Die alten, eingesessenen Parteimitglieder entschieden sich für Bersani, der in den letzten Monaten des Wahlkampfes anstatt zu überzeugen, eher wie eine Schlaftablette daherkam und darüber hinaus noch schlechte Übersetzungen von irgendwelchen deutschen Zitaten von sich gab…, dass so einer nicht haushoch gewinnen konnte, war in einem gewissen Sinne schon vorprogrammiert.
Hier kam schließlich Herr Berlusconi ins Spiel. Schlau ist er und einfach so abgebrüht, dass er seine Vergangenheit verneint und es irgendwo schafft, allen Anderen, außer natürlich sich selbst die Schuld für die Miserie Italiens zu geben. Menschen, die nur Spielsendungen bzw. nicht sehr unabhängige Nachrichtensendungen in Berlusconi-Kanälen sehen, glaubten ihm und hofften wohl, dass die Restitution der Immobiliensteuer IMU für die Wohnimmobilie (die ehrlichgesagt für den Durchschnittsitaliener wirklich nicht einmal nennenswert ist) sie aus der Miserie zieht, denn teuer wird es erst ab der Zweitimmobilie! Berlusconi wurde von seinen Gegenern vorgeworfen, Stimmen zu kaufen, wobei diese nicht ganz unrecht hatten. Wäre auch nicht das erste Mal. Über Bekannte aus der Gegend um Neapel erfuhr ich 2008, dass Stimmen für ca. 20 oder 50 Euro zu kaufen waren. Wie das funktionierte, weiss ich nicht. Sieht man sich Italien auf der Karte an, so kann man sehen, dass komischerweise in sehr armen Gebieten, dem tiefen Süden Italiens, das Mezzogiorno-Gebiet, man doch eher wütend sein müsste, einen Grillo oder abgeschwächt eher links wählen würde, PDL und die rechten sehr stark waren. Da stellt sich mir die Frage: come mai, wieso?
Auf jeden Fall ist Italien , so wie es jetzt ist, erst einmal nicht regierbar. Herr Bersani hat zwar in der Abgeornetenkammer die Mehrheit, aber nicht im Senat. Hier werden für die absolute Mehrheit 158 Sitze benötigt und er kommt leider nur auf 121, PDL auf 117, Grillo auf 54 und Monti auf 22. Selbst wenn es zu einer einigung des linken Bündnisses von Bersani mit Monti kommen würde, so käme man auf 143 Sitze, die nicht ausreichen würden, um die absolute Mehrheit im Senat zu haben. Dies macht Italien nicht regierbar bei wichtigen Entscheidungen. Es wird behauptet, dass Monti sich dazu entschlossen habe bei den Wahlen anzutreten, für den aktuellen Fall. Allerdings erhoffte man sich sowohl für Bersani als auch für Monti mehr Stimmen. Nun, würde sich das Bersani-Bündnis mit der 5-Sterne Bewegung einigen können (was mir ehrlich gesagt fast unmöglich erscheint) so hätte man die absolute Mehrheit und eine demokratische Lösung für Italien. Das wäre es aber nicht, wenn sich Bersani und Berlusconi verbünden würden, in diesem Falle wäre es ein Verlust der Glaubwürdikeit von Beiden. Warten wir`s ab, was passiert, per il bene d’Italia e per l’Europa!
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Bericht: Benvenuto Brunello 2013
25 Februar, 2013
Am vergangenen Wochenende hatte ich die Ehre mit anderen Journalisten und Bloggern an dem Weinevent des Jahres in der Toskana teilzunehmen: Benvenuto Brunello 2013! Während dieses, über insgesamt 4 Tage andauernden Events stellten die Weinanbauer rund um Montalcino den Rosso di Montalcino 2011, die Jahrgänge 2008 des Brunello di Montalcino sowie die Jahrgänge 2007 des Brunello di Montalcino Riserva vor.
Nur mit namentlicher Einladung hatte man Zutritt und bereits vor Wochen hatte ich eine Anfrage für die Akkreditierung abgeschickt, doch nur wenige Tage vorher erhielt ich die Nachricht, dass ich zugelassen war. Die Wettervorhersage war für dieses Wochenende nicht sehr gut. Bei uns an der Küste wurde starker Regen mit Sturm vorhergesagt und in den Höhenlagen der Toskana sogar Schnee!
Bei eisiger Kälte von +4° C (ja, das heißt bei uns bitterkalt und Winter!) und Regen fuhren wir morgens gen Montalcino. Bereits in Paganico konnte man nur ahnen, dass es in der kurvigen Serpentinenstraße nach Montalcino nur noch schlimmer kommen konnte. Tatsächlich ging der Regen in Schneeregen und schließlich in Montalcino in Schnee über, bei + 1° C. Jetzt konnte man nur noch hoffen, dass der Schnee nicht liegen blieb, denn dann hätten wir ein wirkliches Problem bei der Rückkehr gehabt. Süditalienische Sommerreifen und dann noch die Straßen, die im Allgemeinen nicht unbedingt mit Salz gestreute Serpentinenstraße nach Grosseto, hätten die Rückreise zu einem wahren Abenteuer werden lassen können. Hatten wir letzte Woche noch herrlichen Sonnenschein, als wir in Montalcino hielten, um Montepulciano zum Anteprima Vino Nobile di Montepulciano erreichten, tat sich uns nun ein mit Nebel und Schnee verhangener Hügel auf. Es schien, als hätten wir uns in einem Film von Hitchkock verirrt: dichteste Nebelschwaden und dicke Schneeflocken ließen den Ort wie eine graue Silhouette vor unseren Augen erscheinen. Aber wir hatten Glück, denn direkt im Parkplatz wartete noch der Shuttlebus zum Event, der uns fast zum eigens für diesen Event kreierte Brunello-Reich im historischen Zentrums von Montalcino brachte.
Das Chiosco di Sant’Agostino wurde mithilfe von Zelten zwischen den Gebäuden bzw. in den Gebäuden in ein enormes Brunello-Reich umgewandelt. Zu gut, eigentlich überhaupt nicht so richtig italienisch, war dieser Event organisiert. Bereis am Eingang erhielt man Namensschild, einen Katalog mit allen Anbauern und genügend Platz für Degustationsnotizien sowie Kugelschreiber. Es gab eine Art Lounge mit Tischen, Sesseln und Stühlen, wo man sich anhand WI-FI mit der Außenwelt in Kontakt treten konnte, einen Raum mit allen 135, am Event teilnehmenden Weingütern, wo man die Möglichkeit hatte, direkt mit den Besitzern und deren Weinexperten bei einem Gläschen Wein zu konversieren sowie das Chiosco der Kirche von Sant`Agostino, in dem ein herrliches Degustationsmekka kreiert wurde, wo man die Möglichkeit hatte – wenn man wollte und konnte – wirklich alle Weine, vom Rosso, über die Riserva bis hin zum Moscadello, dem Vinsanto sowie Sant`Antimo DOC zu degustieren.
Als ich den Raum betrat, waren tatsächlich nur sehr wenige Plätze verfügbar, sodass ich mich für einen Tisch mit zwei japanischen Journalisten entschied. Ein Sommerlier brachte die auserwählten Köstlichkeiten und während man sich bei kleinen Pausen oder beim Verkosten umsah, konnte man das eine oder andere bekannte Gesicht von Journalisten und Weinkennern an den Nebentischen ausmachen! Ein tolles Gefühl selbst dabei zu sein. Um 11 Uhr fand im Theater die Auszeichnung des Leccio d`Oro im Theater statt, für das ich eine kleine Pause einlegte. Ausgezeichnet wurden Restaurants, Winebars und Trattorien, die ein ganz besonderes Augenmerk auf den Brunello legen, darunter ein Restaurant in Los Angeles, das weit über 7000 Flaschen Rosso und Brunello di Montalcino pro Jahr verkauft (mehr als einige kleine Anbauer der Gegend produzieren!) und deren Besitzer – eigentlich Italiener, der aber seine Muttersprache nicht mehr ganz so beherrschte und den Brunello in seiner “user language” als “greatest expression of the sangiovese grape” bezeichnete sowie die Osteria al Brunello im Zentrum von Mailand. Zu meiner große Überraschung hatte ich die Besitzerin dieses Lokales beim Degustieren als Tischnachbarin…
Zur Degustation: ich muss zugeben, dass ich mir exzellente Etiketten ausgesucht hatte, die bekannt sind, sehr balancierte und gute Weine anzubieten. Beginnend mit dem Rosso di Montalcino 2011, ein sehr angenehmer, ausbalancierter fruchtig- junger, einfach ein angenehmer, sehr anpassungsfähige Rotwein, insbesondere für jene, die komplexe und sehr tanninhaltige Weine nicht mögen. Danach ging es zum Brunello di Montalcino 2008, gefolgt von Brunello Vigna Selezionata, dh. eine Selektion von auserwählten Weinbergen und zu guter letzt dem Brunello Riserva 2007. Die Weinlese 2008 wurde im Vorfeld 4, von insgesamt 5 möglichen Sternen ausgezeichnet. Einige Weinkritiker hatten anzumerken, dass er bei der Lese zu hoch bewertet worden sei. Ich muss aber zugeben, dass ich vielleicht ein wenig mehr Komplexität erwartet hätte. All meine degustierten Brunello-Weine 2008 waren von herrlich frischer rubin-rote Farbe, mit teilweise dunklen, violettfarbenen Reflexen und das bei einem Alter von 5 Jahren! Die Weine waren sehr balanciert und einfach sehr trinkbar, ungeheuer fruchtig, mit angenehmen Vanillenoten, kaum merkbaren Würzaromen, auch wenn die Tannine, mehr oder weniger, je nach Anbauer und Lage konzentriert waren.
Bereits an der Nase etwas komplexer und auch in der Farbe vom intensiven Rubinrot, einige mit orange-farbenen Reflexen kam der Brunello Riserva 2007 einher. Ein interessantes Bouquest von reifen, roten Beerenfrüchten und Vanille sowie leicht würzigen Noten. Ein vollmundig fruchtiger Geschmack sowie relativ weiche Tannine. Man sollten bedenkten, dass die beiden Jahrgänge 2008 und 2007 gerade erst auf den Markt gekommen sind und dass diese Sangiovese-Weine enorm langlebig sind und ihr tatsächliches Potential erst etwa in 5-6 Jahren bzw. noch viel später erreichen/zeigen. Meine degustierten Weingüter waren u.a. Argiano, Banfi, Caparzo, Castiglion del Bosco, Donatella Cinelli Colombini, Poggio Antico, Cava d’Onice, Grazia…. Wer mein Favorit war, sehr schwer zu sagen. Sehr gut ist mir in Erinnerung der Brunello di Montalcino 2008 Caparzio geblieben, bei der Riserva Altero 2007…
Die Weinlese 2012 erhielt als Vorhersage die höchste Punktzahl, 5 Sterne. 2017 werden wir sehen, ob der Brunello di Montalcino bzw. 2018 der Riserva tatsächlich der Vorhersage entsprechen…
Weblinks:
- Infos über Benvenuto Brunello
- Konsortium Brunello di Montalcino
- Anteprima Vino Nobile di Montepulciano
- Konsortium Vino Nobile di Montepulciano
- Chianti Classico Collection
- Osteria al Brunello
Anteprima Vino Nobile di Montepulciano
19 Februar, 2013
In dieser Woche befindet sich wohl alles, was zum Thema Wein, Rang und Namen hat in der Toskana. Der Grund ist, dass sich die Vorstellungen der wichtigsten Etiketten der Toskana praktisch die Hand reichen. Den Anfang macht vom 16. bis 21. Februar Montepulciano mit der Vorstellung des Vino Nobile di Montepulciano (Jahrgang 2010) und des Vino Nobile di Montepulciano Riserva (Jahrgang 2009), des Rosso di Montepulciano 2011 sowie eine Prognose des Jahrganges 2012, dessen Nobile erst ab 1. Januar 2015 auf dem Markt sein wird. Dieses edle Tröpfchen wird auf den Hügeln um Montepulciano, zwischen 250 m und 600 m über dem Meeresspiegel angebaut. Die wichtigste Rebsorte (mind. 70%) ist auch hier, wie bei den meisten edlen toskanischen Weinen Sangiovese, hier als Prugnolo Gentile bezeichnet. Neben Sangiovese dürfen auch 30% andere rote, zugelassene Rebsorten verwandt werden. Die Weinherstellung sowie die Reifung müssen im Gebiet von Montepulciano stattfinden. Der jüngste der Weine, der Rosso di Montepulciano darf erst ab dem 1. März nach dem Erntejahr auf den Markt gebracht werden, während der Vino Nobile di Montepulciano D.O.C.G. mindestens 24 Monate reifen muss (24 Monate kompletter Holzausbau oder 18 Monate Holz und restlichen 6 Monate in anderen Fässern oder 12 Monate in Holz, 6 Monate in einer anderen Fassart sowie 6 Monate Flaschenreifung). Ein Vino Nobile di Montepulciano D.O.C.G., der einen Mindestalkoholgehalt von 12,5% hat und mindestens 3 Jahre gereift ist (davon 6 Monate in der Flasche), darf auf der Etikette den Zusatz “Riserva” tragen. Der Vino Nobile di Montepulciano erhielt im Jahre 1966 als erster Rotwein in Italien die Auszeichnung D.O.C. (Abkürzung Denominazione di Origina Controllata, dt. Wein kontrollierter Herkunft). Die Vorhersage der diesjährigen Vorstellung war sehr verheißungsvoll, denn obwohl der Frühling relativ regnerisch und kalt war, hat ein trocken-warmer Sommer die Trauben gut reifen lassen.
Ich hatte eine Einladung für das vergangene Wochenende, an dem nur Fachmänner/-frauen aus dem Hotel- und Gaststättenbereich, Sommerliers, Journalisten zugelassen waren. Bei traumhaftem Wetter starteten wir am Morgen von der Küste, in das Hinterland der Maremma, mit Stop in Montalcino, um dann schließlich am Nachmittag, rechtzeitig zur Eröffnung Montepulciano zu erreichen. Von den Parkplätzen hatte die Stadt einen Shuttle-Service (it. Servizio Navetta) direkt zur Fortezza organisiert. Desweiteren gab es im Ort in den Lokalen spezielle Menüs in Begleitung des Nobile. Am Eingang erhielt man dann einen “Bollino” – einen Aufkleber – der die einzelnen Besucher als Sommelier etc. klassifizierte sowie natürlich den Katalog mit allen, an diesem Event teilnehmenden Herstellern. Die Aufstellung war sehr gut organisiert und man konnte anhand der Katalogfolge sehr gut alle Anbauer finden. Die 36 Anbauer des Vino Nobile hatten neben den Hauptakteuren auch ihre besten Tröpfchen sowie natürlich den Vinsanto di Vino Nobile zu degustieren; dies ist eine ganze Menge, selbst wenn man den Wein nicht herunterschluckt. Mein Ziel waren in erster Linie die Jahrgänge 2010 des Nobile und 2009 des Riserva, auch wenn das ein oder andere etwas “ältere Tröpfchen” dabei war. Sehr interessant ist natürlich die Entwicklung der Sangiovese-Weine im Laufe der Jahre, wenn die Tannine weicher werden und herrlich fruchtige Noten hervorkommen.
Die Zeit am Nachmittag verging wie im Fluge, denn wenn man sich etwas Zeit für Notizen nimmt sowie das ein oder andere bekannte Gesicht trifft, waren die 3 Stunden fast zu kurz. Eine lustige Episode spielte sich am Ende am Avignonesi-Stand ab. Ein Fernsehteam suchte Interviewpartner, allerdings wollte keiner der mit mir am Stand befindlichen Besucher so recht ins Fernsehen. Dank dieser beiden bekannten Sommeliers, darunter auch ein Sommelier des Jahres, hatte ich die Möglichkeit direkt vor der Schließung ein ganz besonderes, sehr seltenes und super-edles Tröpfchen zu verkosten: einen Vinsanto di Montepulciano Occhio di Pernice 1999 von Avignonesi! Ambrafarben und fast so dickflüssig wie Honig, ein enorm komplexes Bouquet, wobei insbesondere getrocknete Feigen, Rosinen sowie Zimt- und Vanillearomen den Ton bieten. Einfach wow!
Direkt am darauffolgenden Tag, von Montag 18. Februar bis Mittwoch 20. Februar findet zum 20. Male in der Stazione Leopolda in Florenz die Chianti Classico Collection 2013 statt. Hier werden die Chianti Classico Weine Jahrgang 2011 und Chianti Classico Riserva 2010 vorgestellt. Über 500 Weine sollen zur Degustation bereit stehen. Am Vormittag wurde in Florenz den Journalisten das neue Logo des Gallo Nero – des schwarzen Hahns – vorgestellt.
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