Video Abendessen im Gefängnis
27 Januar, 2012
Unter dem Titel Cene Galeotte findet seit einigen Jahren vom Herbst bis in den darauffolgenden Monaten im Frühling, einmal im Monat ein Abendessen im Gefängnis in Volterra statt. Dazu kommen ausgesuchte mehr oder weniger bekannte Köche aus ganz Italien in das Gefängnis, um gemeinsam mit den Häftlingen zu kochen. Das Abendessen wird dann von kellnernden Häftlingen serviert.
Das Projekt dient dazu, den Häftligen den Einstieg in das “normale” Leben nach dem Gefängnis zu erleichtern. Um daran teilzunehmen, muss man im Voraus das Abendessen über die Webseite www.cenegaleotte.it buchen.
Ein Video des Events Cene in Carcere, Abendessen im Gefängnis in Volterra, zeigt, wie professionell die carcerati, die Häftlinge das Essen zubereiten, servieren und was die Gäste davon halten.
Der Streik in der Krise
26 Januar, 2012
Von Nord bis hin nach Süditalien, entlang des Stiefels streiken die LKW-Fahrer. An den Autobahnausfahrten, an den Häfen, wie beispielsweise der in Livorno blockieren sie ankommende Ware bzw. LKWs. Der seit Montag, 23. Januar 2012 andauernde Streik der bis morgen, Freitag den 27. Januar angesetzt ist, scheint ganz Italien lahmzulegen. Besonders südlich von Livorno, wo das Benzin aus Livorno geliefert wird, ging bereits an vielen Tankstellen das Benzin aus. Dies führte dazu, dass selbst kleine, lokale Anlieferer nicht mehr dazu in der Lage waren Frischwaren wie Brot, Milch, Obst und Gemüse zu lieferern. In den Geschäften und Supermärkten geht allmählich frisches Obst und Gemüse aus. Ganz schlimm scheint es in großen Ballungsgebieten wie Rom zu sein, wo die Obst- und Gemüsepreise (falls noch erhältlich) um 100% des normalen Preises aufgeschlagen wurden. Firmen wie FIAT mussten aufgrund der Lieferengpässe einige seiner Fabriken vorübergehend schließen. In Sizilien hatte der Streik am Samstag, 14. Januar, einem Tage nach dem Unglück der Costa Concordia vor Giglio begonnen. Eine Woche lang haben die LKW-Fahrer dort durchgehalten und somit Sizilien isoliert und komplett lahm gelegt. Am Montag, als langsam wieder Benzin an den Tankstellen eintraf, gab es an den Tankstellen lange Schlangen und Wartezeiten. Ob das Benzin nun auf Sizilien aufgrund des Streikes auf dem Festland wieder eintrifft, das weiss ich nicht. Der Grund für den Streik der LKW-Fahrer und kleinerer Transportunternehmen sind die zum Jahresbeginn enorm erhöhten Benzinpreise hier in Italien sowie die Erhöhung der Autobahngebühren, die teuren KFZ-Steuern und Versicherungen, aufgrund dessen die italienischen LKW-Fahrer zum Einen ernorme Risiken in Kauf nehmen (z.B. langes Fahren ohne Pause) und es ihnen desweiteren kaum ermöglichen konkurrenzfähig zu bleiben. Im Gegensatz zu Deutschland, geht im sich in die Länge ziehenden italienischen Stiefel fast 90% des Transportgutes über die Straße, während in Deutschland es etwas über 60% sind. Man hatte wohl in den 70er Jahren versucht einen Großteil auf die Schienen zu verlegen, aber damals beschwerte sich FIAT zu sehr, da große Einbußen beim Verkauf von LKWs zu verzeichnen waren. Die LKW-Fahrer sind wütend und verlangen von der Regierung Vergünstigungen für Benzin, Versicherung und Autobahnen, da sie momentan fast nicht einmal die Kosten tilgen können. Es wird von LKW-Fahrern berichtet, die trotz Streik versucht hatten weiterzufahren, die allerdings gestoppt wurden und durch das Durchstechen der Reifen am Weiterfahren gehindert wurden. Auch wird von Angriffen auf diese Fahrer berichtet. Am frühen Montagmorgen hatte eine deutsche LKW-Fahrerin einen Streikenden auf der Straße bei Asti erfasst und getötet. Aufgrund der Tatsache, dass man versucht, fahrende LKWs zu behindern, kann davon ausgegangen werden, dass der Mann dieses versuchte und somit dabei ums Leben kann. Es ist ein großes Problem, dass durch diesen Streik die frischen Lebensmittel in den LKWs verfaulen und noch dazu große Einbußen im Allgemeinen auf den Einzelhandel zukommen.
Bis morgen soll der Streik andauern; es ist nicht klar, ob bis am Abend oder ob bereits am Morgen wieder LKWs die Fahrt fortsetzen können. Am Wochenende gilt LKW-Fahrverbot und wenn die italienischen Tankstellen wahrmachen, was sie vorhatten, ist für nächste Woche auch ein 11 tägiger Tankstellenstreik angesagt! Sprich, wir werden wieder lahmgelegt. Es bleibt also nur noch zu hoffen, dass wir es schaffen die Tanks unserer Autos zu füllen und wir uns über 11 Tage weiterhelfen können. Morgen erwartet die Italiener ein Venerdí nero, ein schwarzer Freitag: öffentliche Verkehrsmittel, Züge, Flugzeuge, Fähren werden Zugstreik zum Stillstand kommen, sodass man ohne Benzin auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht weiterkommt.
Bella Italia….
Tragisches Schiffsunglück vor der Küste
16 Januar, 2012
Am Samstag, 14. Januar 2012, ging ich bei herrlichstem Sonnenschein, traumhaften winterlichen Temperaturen (ca. 15° C) mit meinen Hunden zu Fuss in die Stadt, um Brot zu holen und eventuell noch ein Schnäppchen bei den Saldi Invernali, dem Winterschlussverkauf zu machen. Das Meer schien ein herrlich blauer, sanfter Teppich, eingerahmt von einem fast wolkenlosen Himmel. Ich hatte an diesem Morgen noch keine Nachrichten gesehen oder gehört, sodass ich keinerlei Ahnung hatte, was sich etwas weiter südlich von uns, vor Giglio zugetragen hatte. Gerade als ich die Bäckerei verlies, rief mich mein Mann an, um mir mitzuteilen, dass irgendwie ein Schiff vor Giglio Probleme hatte und mich gleich ein Offizier anrufen würde, um per Telefon zu dolmetschen. Nicht allzu sehr erschrocken, denn es kommen doch immer mal kleinere Unfälle vor, wobei man sich dann bei Kleinigkeiten nicht verständigen kann, wartete ich auf den Anruf, der auch nur wenige Sekunden später eintraf. Hier bemerkte ich, an der Stimme sowie den Hintergrundgeräuschen und natürlich auch bei dem, was ich übersetzte, dass etwas schlimmeres passiert sein musste.
Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, dass bei traumhaftem Wetter (was auch bereits am Vortage herrschte) ein so großes Kreuzfahrtschiff vor der kleinen Insel Giglio in den vergangenen 24 Stunden Probleme gehabt haben könnte. Bereits am Nachmittag wurden Stimmen laut, die sagten, dass der Schiffskaptän sich der Insel näherten, um sie wie üblich (es fährt jeden Freitag an der Küste entlang) “zu grüßen”. Diesmal kam wohl noch hinzu, dass er dem von der Insel stammenden Oberkellner, dem Gefallen erweisen wollte, der bereits in der Vorwoche das Schiff verlassen sollte und sich somit wahrscheinlich noch weiter als üblich näherte und hierbei das Unglück geschah. Man kann nicht verstehen, wie so etwas trotz modernster Navigationstechniken passieren konnte. Hinzu kommt, dass es einfach bekannt ist, dass zahlreiche Felsen um Giglio, den so gennanten Formiche, aus dem Wasser ragen. Auch kann man nicht verstehen, was die Küstenwacht tat, die doch dank ihrer Satellitensysteme sehen mussten, dass das Schiff viel zu nahe an der Insel und somit den gefährlichen Felsen war.
Zwar scheint der Kapitän noch versucht zu haben, das Schiff nach dem Unfall näher zur Insel zu bringen, um somit die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Dem Kapitän wird vorgeworfen, viel zu spät Alarm gegeben zu haben. Der Vorfall passierte gegen 21.30 und erst gegen 22.45 Uhr ging die Alarmmeldung ein. Bereits ab 21.40 Uhr gingen unter der Notrufnummer bei den Carabinieri zahlreiche Anrufe von besorgten Passagieren ein. Nach einer versuchten Kontaktaufnahme mit der Concordia erhielt man die Antwort, dass man mit einem elektrischen Blackout zu kämpfen habe, welches man dabei sei, unter Kontrolle zu bringen. Viel zu spät, bereits als das Schiff komplett geneigt war, begann man damit die Notboote nach unten zu lassen, wobei somit jene, auf der Seite der Neigung, nicht mehr ins Wasser gelassen werden konnten. Zeugen sagten aus, dass sehr viele Passagiere zurück in ihre Kabinen seien, um die Rettungswesten zu holen, da natürlich auf den Decks eine nicht ausreichende Anzahl an Rettungswesten vorhanden war und einige danach nicht mehr zurück kehrten. Viele Passagiere werfen desweiteren der Crew vor, dass sie nicht in der Lage war, mit der Situation umzugehen.
Was genau passiert ist, das wird sich in den nächsten 1-2 Tagen nach genauer Auswertung der Blackbox herausstellen. 6 Tote bisher, weitere 29 Personen werden noch vermisst. Man hofft, eventuell noch weitere Überlebende, eventuell in einer Luftblase, in den Kabinen zu finden, auch wenn langsam die Hoffnung schwindet. Auf traurige Weise ist die kleine Insel Giglio, deren offizielle Einwohnerzahl etwa ein Drittel der Schiffspassagiere ausmacht, zu weltweitem Ruhm gelangt. Giglio, bestehend aus drei Ortschaften – Giglio Porto, Giglio Castello und Campese – ist ein kleines Juwel, beliebtes Ziel für Tagesausflügler zum Baden im herrlichen Meer, das die Insel umgibt. Man erreicht die Insel mit einer kleinen Fähre von Porto Santo Stefano, welche bei der Ankunft den kleinen Hafen komplett auszufüllen scheint. Es gibt nur sehr wenige Hotels, die auch nur während der Sommermonate geöffnet sind. Mit dem Ende der Sommersaison leert sich die Insel; Restaurants geschlossen, nur das wichtigste wie Bäckerei, Bar und Lebensmittelgeschäft geöffnet. Es ist schwer vorstellbar, wie es in der Nacht auf Giglio zugegangen sein musste und wie lange es dauerte, über 4000 gerettete Menschen ans Festland zu bringen. Die Bevölkerung der Insel Giglio hat wohl in der Nacht getan, was sie konnte, indem sie die Schiffsbrüchigen mit warmen Getränken, Essen, Decken, Jacken, gar Schuhen versorgten. Auch die Einwohner des kleinen Porto Santo Stefano taten, was sie konnten, so beispielsweise ein Tauchlehrer, der beim Abendessen, als er davon hörte, sich gleich mit seinem kleinen Boot nach Giglio aufmachte. Italienische und europäische Passagiere konnten bereits am Samstag die Heimreise antreten, während Passagiere aus Nicht-EG-Staaten in dafür eröffneten Unterkünften untergebracht wurden, so lange, bis Ersatzausweispapiere für eine mögliche Weiterreise ausgestellt worden sind.
Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter in den nächsten Tagen standhält, diese menschliche Tragödie sich nicht noch in eine Umweltkatastrophe wandelt. Es ist kalt geworden und am Morgen nieselte es leicht, aber solange das Wasser ruhig ist, dürfte die Costa Concordia von den Felsen gehalten werden, auf denen sie gestrandet ist, sodass die Rettungsarbeiten sowie das Absaugen des Kerosins, was für die nächsten Tage angesagt ist, hoffentlich reibungslos ablaufen können.





