Leben in einem italienischen Urlaubsort

19 August, 2011

Wie lebt es sich in einem italienischen Urlaubsort am Meer, oder besser gesagt an der südtoskanischen Küste? Von September bis Juni eigentlich sehr gut würde meine Antwort lauten. Zwar hat man das Meer direkt vor der Tür, allerdings ist es insbesondere während der Sommermonate nicht immer sehr angenehm. Mit Beginn der italienischen Schulferien Anfang Juni beginnt von Woche zu Woche eine langsame, aber stetige Zuwanderung von vielen Familien, die ihre Zweitwohnung im Ort haben. Oma und Opa, die nicht-arbeitende Mutter inklusive Kinder ziehen dann von Colle Di Val d’Elsa und sonstigen Orten des toskanischen Hinterlandes an das Meer um. Am Wochenende kommt dann der Mann hinzu sowie noch die eingeladenen Freunde oder die Tagesausflügler, die einen oder zwei Tage zum Baden ans Meer kommen. Ab Ende Juli geht es dann richtig los: viele der ansonsten leerstehenden Privatwohnungen werden während der 3-4 Haupturlaubswochen über Immobilienmakler (meist recht überteuert) vermietet. Das Ergebnis dieser beiden Phänomene bringt es mit sich, dass in einer kleinen Wohnung bestehend aus Wohnraum/Küche, Schlafzimmer und Bad sogar Oma+Oma, Sohn, Schwiegertochter inklusive beider Kinder unterkommen. Sollten dann noch andere Verwandte kommen, so haben die Italiener da die genialsten Einfälle, was ausklappbare Betten oder Schlafplätze anbelangt. Hauptsache in den Urlaub, ganz nach dem Motto “tutti al mare”. Solange es mit dem Verkehr noch keine Überhand genommen hat, kann man relativ gefahrlos das Rad nutzen. Manchmal hat man das Gefühl durch einen Film zu radeln und riskiert es so auch noch vom Rad zu fallen: da sieht man den etwas korpulenten Verschwitzten Mann mittleren Alters, nur mit einer ausgeleierten Badehose bekleidet am Straßenrand, unter dessen Spaghettibauch eine Gürteltasche angebracht ist, bewaffnet mit Angel und Eimer (erinnerte mich sehr an Fred von den Flintstones). Letzte Woche fuhr ich an einer Dame mittleren Alters vorbei, eigentlich in Top-Form, allerdings nur mit einer sehr kurzen Elastik-Baumwollhose und einem Top bekleidet, wobei die Hose nicht einmal – hier wähle ich die schöne italienische Ausdrucksweise – ihren fondoschiena bedeckte.

An einem anderen Abend, als ich gerade auf den Menschenstrom vom Strand gen Ferienwohnung traf, auf dessen Wege viele noch ihre Kleinigkeiten für den Abend entlang des Weges kaufen, stand an der Theke, in der Käserei ein verschwitzter, sehr kräftiger Mann mittleren Alters, bekleidet nur mit einer ausgeleierten, ausgebleichten, derart abgenutzten, daher fast transparenten, einst orange-farbenen Badehose, inklusive einem Muskelshirt, wie man es in den 80ern am Strand von Rimini kaufen konnte! Hier stellt sich einem die Frage auf, ob entweder die Wohnungen spiegellos vermietet werden, die Sonnenbrille nicht ablegt oder einfach ganz traditionsgetreu, wie jedes Jahr an Ferragosto seit 30 Jahren das verlässliche Badegewand in den Koffer gepackt wird?

Gleiches gilt für die nicht mehr verkehrssicheren Drahtesel, die irgendwo noch ausgegraben wurden bzw. wohl seit über 30 Jahren zum Inventar der Ferienwohnung dazu gehören. Mit diesen fährt Familie dann voll bepackt mit Sonnenschirm und Klappstühle in der einen Hand, Strandtasche auf der anderen Schulter und einem unsicheren Kinderfahrradsitz (Marke “Seventies” ohne jegliche Sicherung) an den Strand, egal ob es sich bei dem “direkten” Wege vom und zum Strand um eine Einbahnstraße handelt oder nicht.

Als “normaler”, am Straßenverkehr teilnehmender Radfahrer kämpft man während der Rush-Hour einmal mit den auf der rechten Seite entgegenkommenden Radfahrern, den Parkern der seconda fila, sprich in der 2. Reihe, während der Überholer noch mit dem entgegekommenden Radfahrer links zu kämpfen hat! Kann man noch im letzten Moment den Zusammenstoß mit einem indischen Schmuckverkäufer vom Strand verhindern, der einem sagt, man solle nach links ausweichen, während man von einem SUV überholt wird, der widerum einen Zusammenstoß mit einem weiteren Radfahrer zu verhindern sucht, dann denkt man nur “Oh mamma mia, dove sono finita!” Es steht außer Frage, dass weit und breit keine Spur von Carabinieri, Polizia Municipale & Co. ist. Einige Ecken weiter, sind diese in der Zwischenzeit damit beschäftigt zu überlegen, ob sie nun demjenigen, der kurz nach rechts in die Einbahnstraße abgebogen ist, um dann auf dem Zebrastreifen zu parken, einen Strafzettel ausstellen sollen oder was nun zu unternehmen ist. Ist man dann gut Zuhause angekommen, so hört man sehr viele Sirenen und auch der Rettungshubschrauber landet mindestens einmal täglich. In den beiden Wochen um den 15. August, dem italienischen Ferragosto, scheint in vielen Küstenorten wirklich der Ausnahmezustand zu herrschen, während man sich in den normalerweise chaotischen Städten wie Neapel, Rom und Florenz fast erholen könnte.

Allerdings konnte man bereits seit Dienstag, dem Tage nach Ferragosto, zahlreiche Menschen auf Abreise sehen. Schon gestern Abend schien es wesentlich ruhiger. Gleiches Bild am Morgen, als viele Koffer vor den Türen standen, um zum Auto getragen zu werden. Selbst wenn am Wochenende noch zahlreiche Tagesgäste kommen, so wird es bestimmt nicht mehr so voll wie an den vorherigen 2 Wochenenden sein. Der Italiener hat nun seine Ferien zu Ende und wer nun kommt, der kann es in vollen Zügen genießen. Waren die vergangenen Wochen zwar sehr angenehm von den Temperaturen, so waren sie allerdings doch eher untypisch für diesen Sommer. Seit einigen Tagen ist der Sommer zurück, mit Höchsttemperaturen über 35° C. Da kann man jetzt nur noch sagen “Buone Vacanze, dagli Italiani!

Ab Samstag Tutti al Mare

1 Juli, 2011

Morgen, am Samstag den 2. Juli wird in Italien die große Sommerreisewelle in Richtung Süden und Meer beginnen. Laut Presse seien während dieses Esodo Estivo über 5 Millionen Autos auf Italiens Straßen unterwegs. Zwar versucht man während dieser Zeit die Autobahnbaustellen möglichst zu schließen, allerdings konnte man davon an den vergangenen Wochenenden noch nichts merken. Einige der Baustellen arbeiteteten nachts, sodass diese Autobahnen von 22 bis 6 Uhr geschlossen waren. Komplett zu waren insbesondere an den Samstagen die A12 an der Ausfahrt Rosignano und gleich danach auf der Schnellstraße Richtung Süden. Ebenfalls Staus auf der Autobahn A1 von Bologna nach Florenz, meist bis Firenze Certosa sowie die A11 Firenze Mare in Richtung Meer.

Um diese Staus der Ankünfte am Samstag zu umfahren, sollte man entweder sehr rechtzeitig am Freitag losfahren, sodass man am frühen Morgen am Urlaubsziel ist oder aber eine “verspätete” Abreise planen. Urlauber mit dem Ziel südliche Toskana-Küste könnten ansonsten als Alternative bis Firenze Certosa fahren und von dort auf auf die Schnellstraße Firenze-Siena, um sich dann über Grosseto in Richtung Küste zu bewegen. Aber auch um Siena wird es mit dem Verkehr am Samstag nicht zu spaßen sein, da am frühen Abend das Palio di Siena stattfindet. Das Wetter an der Küste ist sehr feucht und warm, während es im Hinterland gewittert. Morgen wird es nur noch in der nördlichsten Toskana regnen, während in der übrigen Region die Sonne lacht. Samstagsabends ist in Italien der Ausgehtag. Man geht gerne essen und trifft sich mit Freunden. Dementsprechend sind auch Pizzerien und Restaurants insbesondere in den Touristenorten meist voll. Es empfiehlt über die Unterkunft schon vor der Ankunft etwas buchen zu lassen bzw. sollte die Unterkunft selbst Verkostung anbieten, direkt vor Ort zu speisen. Letzeres ist bestimmt die beste Lösung für einen angenehmen Urlaubsanfang.

Noch eine wichtige Informatione für die Damen: morgen, am 2. Juli beginnt auch der Sommerschlussverkauf!

In diesem Sinne: buon viaggio, buone vacanze ed un buon shopping per le donne…

Wichtige Notrufnummern Italien:
Pannenhilfe (ACI) 116
Ambulanz 118
Polizeinotruf 112
Feuerwehr 115
Forstbehörde 1515 (im Falle von Waldbränden)
Küstenwache 1530
Verkehrssituation 1518

It. Verkehrssender:
Isoradio

Weblinks:
ADAC
Italienische Autobahn
aktuelle Verkehrssituation it. Autobahnen
Tutor und Blitzgeräte in Italien
Wo befinden sich die Tutor
Liste der festinstallierten Blitzgeräte in Italien
Urlaub auf dem Lande
Reiseverkehr – Stauprognosen Autobahn

Familienurlaub Toskana mit Abstecher nach Rom

17 Juni, 2011

Bei unseren ersten Planungen für unseren Toskanaurlaub über Ostern 2011, dachten wir, dass unsere beiden Jungs, Linus und Lukas (11 und 8 Jahre), jetzt alt genug sind, um von dort aus einen Abstecher nach Rom zu machen. Durch ihre Was-ist-Was Bücher über das antike Rom, war es schon seit geraumer Zeit der Kinder Innigster Wunsch, Rom zu besuchen und sie waren somit auch im Besitz des Rom-Kinderreiseführers  Pollino und Pollina entdecken die Welt.
Der Schiefe Turm von Pisa

Der Schiefe Turm von Pisa

Also ran an die Detailplanung. Wo und wie lange werden wir in der Toskana bleiben? Wie beziehen wir den Osterverkehr mit ein? Schlechte Erfahrungen mit Alpenüberquerungen in den Ferienwochenenden hatten wir bereits gesammelt. Die Anreise sollte auf keinen Fall an einem Freitag oder Samstag stattfinden. Wir wählten deshalb als Anreisetag Sonntag, den 17. April und für die Abreise Mittwoch, den 27. April 2011. 
Was möchten wir sehen? Machen wir eine Zwischenübernachtung in Rom? Bei unserem Sohn Lukas stand natürlich das Kolloseum ganz oben auf der Wunschliste. Dann kam mir die Idee, dass wenn man schon einmal in Rom ist, man auch an einer Papstaudienz teilnehmen könnte. Suchmaschine sei dank landete ich mit der Stichwortsuche “Papstaudienz” auf der Seite www.pilgerzentrum.de , auf der man alle nötigen Informationen findet, inklusive Online-Anmeldung zur Papstaudienz. Durch diese fand ich auch heraus, dass der Papst jeden Mittwoch um 10.30 Uhr eine Generalaudienz abhält.
Wir wählten als Termin Mittwoch, den 20. April 2011, der letzten Audienz vor dem christlichen Osterfest in Rom, an dem Menschen aus aller Welt in den Vatikan strömen. Einen Tag nach der Anmeldung bekamen wir bereits die Bestätigung des Pilgerzentrums, dass alles in Ordnung ginge. Man sollte sich nur kurz vorher im Internet erkundigen, ob die Audienz auch wirklich stattfindet. Die Anmeldebestätigung sollte man auch mit nach Rom bringen, um die kostenlosen Tickets vor der Audienz abzuholen. Soweit zur Vorbereitung.

Podere La Collacchia - traumhafte Ferienwohnungen

Podere La Collacchia - traumhafte Ferienwohnungen

Endlich war der Abreisetag gekommen; wir starteten Sonntagmorgen gegen 2 Uhr und waren bereits vor 8 Uhr am Gotthard, ohne ein Auto vor uns zu haben. Kurz nach Mittag befanden wir uns bereits nahe Pisa, sodass wir uns zu einem  Zwischenstopp an der Piazza Dei Miracoli, dem Platz des Schiefen Turmes entschieden. Das Navigationsgerät leitete uns praktischerweise zum nächstgelegenen Parkplatz, ganz in der Nähe des schiefen Turmes. Bei herrlichstem Sonnenwetter, traumhaft blauem Himmel und einer Temperatur von etwa 22° C machten wir uns freudig auf den Weg zum Turm.

Der Panoramapool mit Meerblick

Der Panoramapool mit Meerblick

Selbst nach mehreren Pisa-Besuchen ist diese Piazza immer wieder sehenswert. Wer kleinere Kinder hat, der sollte wissen, dass Kinder wegen des Abstandes der Gitterstäbe mind. 8 Jahre alt sein sollten. Am Ticketschalter angelangt, bekamen wir die Auskunft, dass der nächste Slot erst gegen 16.20 sein würde. Man hätte die Besteigung aber  auch vorab übers Internet buchen können, was bei den täglichen Besuchermengen tatsächlich lohnenswert ist. Da wir nach der langen Fahrt keine Lust mehr auf langes Warten hatten, entschieden wir uns, weiter, zu unserem Zielort zu fahren und somit für eine verdiente Abkühlung im Pool! Bereits Wochen vorher hatten wir eine herrliche Ferienwohung mit riesigem Meerblickpool  in Puntone Di Scarlino (Provinz Grosseto) gebucht, die von Pisa nur noch etwas über eine Stunde entfernt war…

Populonia - Blick auf den Golf von Baratti

Populonia - Blick auf den Golf von Baratti

Um für unseren Rombesuch fit zu sein, verbrachten wir die nächsten Tage überwiegend am Pool, mit einigen Spaziergängen im nahe gelegenen Follonica sowie einen Abstecher in die ehemalige etruskische Stadt Populonia, oberhalb des Golfes von Baratti. Vom nächst größeren Ort Follonica gibt es sehr gute Zugverbindungen nach Rom, sodass wir Dank Internet die beste Zugverbindung  aussuchen konnten. Der erstmögliche Zug am Morgen fährt täglich um 7.04 Uhr ab. Ankunft in San Pietro, 2 Stationen vor Roma Termini, 9.23 Uhr, sodass genügend Zeit sein sollte, pünktlich bei der Papstaudienz um 10.30 Uhr einzutreffen. Allerdings war die Adresse des Pilgerzentrums zur Kartenabholung nicht direkt am Vatikan sondern noch einige Straßen entfernt, sodass die Zeit doch relativ knapp schien. Daher rief ich noch einmal im Pilgerzentrum an, und eine sehr nette Mitarbeiterin des Pilgerzentrums bot uns an, die Tickets gemeinsam mit den Tickets der Hotelgäste im Hotel Palazzo Cardinale Cesi ganz in der Nähe des Petersdomes zu hinterlegen, was wir auch dankbar annahmen.

Audienz beim Papst Rom

Audienz beim Papst Rom

Bereits am Vortag bemühten wir uns um die Bahntickets, um langes Schlange stehen am Morgen der Abreise nach Rom zu vermeiden. Dank der Dame am Schalter stellte sich heraus, dass es sich lohnte die Fahrkarte noch 2 Stationen weiter, dh. bis Roma Termini zu kaufen, da dies günstiger war als bis Roma San Pietro.  Mit etwas Verspätung kam der Zug schließlich in Roma San Pietro an, sodass wir uns beeilten, möglichst den Linienbus Nr. 64 zum Petersdom zu bekommen; wir hatten Glück und stiegen direkt ein. Fahrkartenpreis 1 Euro pro Person und nur wenige Minuten später befanden wir uns schon an der Haltestelle vor dem Petersdom. Jetzt hieß es nur noch das Hotel finden, um dort die hinterlegten Tickets abzuholen. 

Petersplatz Rom Papstaudienz

Petersplatz Rom Papstaudienz

Nach wenigen Schritten befanden wir uns vor dem Hotel, in sehr zentraler Lage, praktisch vor dem Petersplatz, mit einem herrlichen Innenhof. Freundlich wurden wir an der Rezeption auf Deutsch begrüßt, auch wenn ich es bevorzugt hätte mein Italienisch aufzubessern. Auf den ersten Blick ein wunderschönes, sehr gepflegtes Hotel, für den nächsten Rombesuch sicherlich in Betracht zu ziehen. Nachdem wir die Tickets hatten, hieß es Kinder an die Hand und zurück zum Petersdom. Bereits von weitem konnte man die enormen Menschenmengen erkennen, die zur riesigen Piazza strömten. Tatsächlich gab es vor dem Eintritt fast genauso strenge Sicherheitskontrollen wie am Flughafen. Als wir die Piazza betraten, waren die besten Plätze ganz vorne schon besetzt, sodass wir einen Platz direkt an einem der Gänge wählten, die vom Papst vor der Audienz mit seinem Papamobile durchfahren werden.

Der Papst in seinem Papamobile

Der Papst in seinem Papamobile

Endlich war es 10.30 Uhr,  um 10.35 und Uhr machte sich eine steigernde Unruhe zwischen den Besuchern bemerkbar und siehe da, auf einem der riesigen Bildschirme erschien der Papst in seinem durch die Menge fahrenden Papamobile. Aber wo war er nur? Schließlich fuhr er auch an uns vorbei und wir begrüßten ihn freudig. Direkt vor dem Eingang des Petersdoms wartete eine Art Freiluftaltar auf ihn, von dem aus er, gemeinsam mit anderen Kardinälen, die Messe in mehreren Sprachen abhielt. Begonnen wurde auf Englisch, danach Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und schliesslich Italiensch. Als der Papst in der jeweiligen Sprache den Sprecher kommentierte, spendeten ihm die Zuschauer dieser Länder bzw. Delegationen heftigen Jubel und Applaus. Nach der Osterbotschaft wurde das Vaterunser auf Latein gesungen (Text auf der Rückseite der Eintrittskarte). Nach 2 Stunden unter der bereits sehr heißen Frühlingssonne in Rom,  mochten wir als nächstes nur noch ein kühles Getränk und Schatten aufsuchen und wir fragten uns, wie heiß es hier nur im Sommer sein würde?

Linus und Lukas vor dem Kolloseum in Rom

Linus und Lukas vor dem Kolloseum in Rom

Gerne hätten wir den Petersdom direkt im Anschluss an die Messe besucht, aber leider war dieser noch ca. 1 Stunde nach der Messe geschlossen, so lange, bis der Platz komplett geräumt war. Somit machten wir einen kurzen Rundgang im Vatikan und entschieden uns dann aufgrund der verbleibenden Zeit für eine Stadtrundfahrt in einem der offenen Touristenbusse. Direkt am Petersplatz, der Piazza San Pietro, befinden sich Haltestellen der einzelnen Busunternehmen. Hier lohnte der Preisvergleich, denn beim ersten Anbieter wurden 50 Euro pro Person (zwar für 2 Tage) verlangt, während der zweite nur noch 13 Euro pro Person und Kinder gratis verlangte. Der Haken dabei war allerdings, dass es sich “nur” um eine Runde handelte, mit der Möglichkeit bei den verschiedenen Sehenswürdigkeiten aus- und wieder einzusteigen, bis man wieder am Einstiegspunkt angelangt war. Leider schafften wir es aufgrund der vielen Menschen nicht in den ersten Bus, aber bereits nach wenigen Minuten kam der nächste. Über die Engelsburg und an weiteren Highlights vorbei, tat sich schließlich vor unseren Augen ein grandioser Anblick auf das Kolloseum auf. Aber leider gab es auch hier wieder eine riesige Warteschlange… Nach dem Besuch im Kollosseum, es war mittlerweile 15 Uhr, machte sich auch unser Magen immer stärker bemerkbar. Direkt am Eingang der Metro fanden wir eine kleine Trattoria mit herrlichem Ausblick auf das Colloseo. Obwohl es schon Nachmittag war, war die Trattoria noch voll besetzt, da er Italiener normalerweise erst nach 13.00 Uhr zum Mittagessen geht. Entsprechend der phantastischen Lage, waren auch die Preise dementsprechend phantastisch: eine Portion Pommes kosteten 5 Euro!

Das Naturreservat Diaccia Botrona

Das Naturreservat Diaccia Botrona

Da sich die Müdigkeit nach dem langen Tag doch langsam bemerkbar machte, entschieden wir nach dem Essen, die nächste Metro zum Hauptbahnhof Termini und von dort aus, den nächst möglichen Zug nach Follonica zu nehmen. In weniger als 10 Minuten hatten wir bereits die Stazione Termini erreicht, die auf den ersten Blick doch eher einem Flughafen glich. Wir wussten bereits, dass an den Fahrkartenschaltern meist lange Schlangen gibt und dass es sich daher lohnen würde, die Fahrkarten an den Automaten zu kaufen. In der Menüführung des Automaten bekamen wir mehrere Optionen für Follonica angezeigt, sodass wir und für die schnellste Verbindung mit dem IC entschieden, die zwar um 25 Euro teurer war als die Regionalverbindung, es sich aber für uns in diesem Augenblick lohnte 6,25 EUR/p.P. mehr zu zahlen. Am Bahnhof Grosseto, kurz vor Follonica wurden wir dann noch Zeugen eines aufregenden Polizei-Einsatzes, der zu zahlreichen Festnahmen führte. Etwas verspätet trafen wir gegen 18.30 in Follonica ein, ermüdet und hungrig. Da die Restaurants in Italien meist erst ab 19.30/20.00 öffnen, entschieden wir uns für eine Pizzeria mit dem recht einfallslosen Namen Pizza Taxi (hinter der Chiesa di San Leopoldo), eher eine Mitnahmepizza, aber mit einigen Tischen und köstlicher, neapolitanischer Pizza mit echtem Mozzarellakäse aus dem Steinofen. Die nächsten Tage verbrachten wir überwiegend am Strand und Swimmingpool. Allerdings sollte noch ein Highlight nicht unerwähnt bleiben: unser Birdwatching zu Fuss im Naturpark außerhalb von Castiglione della Pescaia, Diaccia Botrona, mit anschließender, offener Bootstour durch das Naturschutzgebiet, während der wir leider von Regen überrascht wurden.

Nach bereits 2 Monaten unser Fazit zur Tagestour nach Rom: diese Stadt an einem Tage zu erkunden ist unmöglich. Für uns war es ein tolles Erlebnis, inklusive der Papstaudienz und wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Besuch.

Oliver Braun, Juni 2011

 

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