Bericht: Benvenuto Brunello 2013

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Bericht: Benvenuto Brunello 2013

Am vergangenen Wochenende hatte ich die Ehre mit anderen Journalisten und Bloggern an dem Weinevent des Jahres in der Toskana teilzunehmen: Benvenuto Brunello 2013! Während dieses, über insgesamt 4 Tage andauernden Events stellten die Weinanbauer rund um Montalcino den Rosso di Montalcino 2011, die Jahrgänge 2008 des Brunello di Montalcino sowie die Jahrgänge 2007 des Brunello di Montalcino Riserva  vor.

Nur mit namentlicher Einladung hatte man Zutritt und bereits vor Wochen hatte ich eine Anfrage für die Akkreditierung abgeschickt, doch nur wenige Tage vorher erhielt ich die Nachricht, dass ich zugelassen war.  Die Wettervorhersage war für dieses Wochenende nicht sehr gut. Bei uns an der Küste wurde starker Regen mit Sturm vorhergesagt und in den Höhenlagen der Toskana sogar Schnee!

Zentrum Montalcino in Nebel eingehüllt

Zentrum Montalcino in Nebel eingehüllt

Bei eisiger Kälte von +4° C (ja, das heißt bei uns bitterkalt und Winter!) und Regen fuhren wir morgens gen Montalcino. Bereits in Paganico konnte man nur ahnen, dass es in der kurvigen Serpentinenstraße nach Montalcino nur noch schlimmer kommen konnte. Tatsächlich ging der Regen in Schneeregen und schließlich in Montalcino in Schnee über, bei + 1° C. Jetzt konnte man nur noch hoffen, dass der Schnee nicht liegen blieb, denn dann hätten wir ein wirkliches Problem bei der Rückkehr gehabt. Süditalienische Sommerreifen und dann noch die Straßen, die im Allgemeinen nicht unbedingt mit Salz gestreute Serpentinenstraße nach Grosseto, hätten die Rückreise zu einem wahren Abenteuer werden lassen können. Hatten wir letzte Woche noch herrlichen Sonnenschein, als wir in Montalcino hielten, um Montepulciano zum Anteprima Vino Nobile di Montepulciano erreichten, tat sich uns nun ein mit Nebel und Schnee verhangener Hügel auf. Es schien, als hätten wir uns in einem Film von Hitchkock verirrt: dichteste Nebelschwaden und dicke Schneeflocken ließen den Ort wie eine graue Silhouette vor unseren Augen erscheinen. Aber wir hatten Glück, denn direkt im Parkplatz wartete noch der Shuttlebus zum Event, der uns fast zum eigens für diesen Event kreierte Brunello-Reich im historischen Zentrums von Montalcino brachte.

Chiosco di Sant'Agostino

Chiosco di Sant’Agostino

Das Chiosco di Sant’Agostino wurde mithilfe von Zelten zwischen den Gebäuden bzw. in den Gebäuden in ein enormes Brunello-Reich umgewandelt. Zu gut, eigentlich überhaupt nicht so richtig italienisch, war dieser Event organisiert. Bereis am Eingang erhielt man Namensschild, einen Katalog mit allen Anbauern und genügend Platz für Degustationsnotizien sowie Kugelschreiber. Es gab eine Art Lounge mit Tischen, Sesseln und Stühlen, wo man sich anhand WI-FI mit der Außenwelt in Kontakt treten konnte, einen Raum mit allen 135, am Event teilnehmenden Weingütern, wo man die Möglichkeit hatte, direkt mit den Besitzern und deren Weinexperten bei einem Gläschen Wein zu konversieren sowie das Chiosco der Kirche von Sant`Agostino, in dem ein herrliches Degustationsmekka kreiert wurde, wo man die Möglichkeit hatte – wenn man wollte und konnte – wirklich alle Weine, vom Rosso, über die Riserva bis hin zum Moscadello, dem Vinsanto sowie Sant`Antimo DOC zu degustieren.

Weindegustation im Chiosco di Sant'Agostino

Weindegustation im Chiosco di Sant’Agostino

Als ich den Raum betrat, waren tatsächlich nur sehr wenige Plätze verfügbar, sodass ich mich für einen Tisch mit zwei japanischen Journalisten entschied. Ein Sommerlier brachte die auserwählten Köstlichkeiten und während man sich bei kleinen Pausen oder beim Verkosten umsah, konnte man das eine oder andere bekannte Gesicht von Journalisten und Weinkennern an den Nebentischen ausmachen! Ein tolles Gefühl selbst dabei zu sein. Um 11 Uhr fand im Theater die Auszeichnung des Leccio d`Oro im Theater statt, für das ich eine kleine Pause einlegte. Ausgezeichnet wurden Restaurants, Winebars und Trattorien, die ein ganz besonderes Augenmerk auf den Brunello legen, darunter ein Restaurant in Los Angeles, das weit über 7000 Flaschen Rosso und Brunello di Montalcino pro Jahr verkauft (mehr als einige kleine Anbauer der Gegend produzieren!) und deren Besitzer – eigentlich Italiener, der aber seine Muttersprache nicht mehr ganz so beherrschte und den Brunello in seiner „user language“ als „greatest expression of the sangiovese grape“ bezeichnete sowie die Osteria al Brunello im Zentrum von Mailand. Zu meiner große Überraschung hatte ich die Besitzerin dieses Lokales beim Degustieren als Tischnachbarin…

Brunello di Montalcino 2008 Cinelli Colombini

Brunello di Montalcino 2008 Cinelli Colombini

Zur Degustation: ich muss zugeben, dass ich mir exzellente Etiketten ausgesucht hatte, die bekannt sind, sehr balancierte und gute Weine anzubieten. Beginnend mit dem Rosso di Montalcino 2011, ein sehr angenehmer, ausbalancierter fruchtig- junger, einfach ein angenehmer, sehr anpassungsfähige Rotwein, insbesondere für jene, die komplexe und sehr tanninhaltige Weine nicht mögen. Danach ging es zum Brunello di Montalcino 2008, gefolgt von Brunello Vigna Selezionata, dh. eine Selektion von auserwählten Weinbergen und zu guter letzt dem Brunello Riserva 2007. Die Weinlese 2008 wurde im Vorfeld 4, von insgesamt 5 möglichen Sternen ausgezeichnet. Einige Weinkritiker hatten anzumerken, dass er bei der Lese zu hoch bewertet worden sei. Ich muss aber zugeben, dass ich vielleicht ein wenig mehr Komplexität erwartet hätte. All meine degustierten Brunello-Weine 2008 waren von herrlich frischer rubin-rote Farbe, mit teilweise dunklen, violettfarbenen Reflexen und das bei einem Alter von 5 Jahren! Die Weine waren sehr balanciert und einfach sehr trinkbar, ungeheuer fruchtig, mit angenehmen Vanillenoten, kaum merkbaren Würzaromen, auch wenn die Tannine, mehr oder weniger, je nach Anbauer und Lage konzentriert waren.

Degustation mit den Anbauern: Weingut Grazia

Bereits an der Nase etwas komplexer und auch in der Farbe vom intensiven Rubinrot, einige mit orange-farbenen Reflexen kam der Brunello Riserva 2007 einher. Ein interessantes Bouquest von reifen, roten Beerenfrüchten und Vanille sowie leicht würzigen Noten. Ein vollmundig fruchtiger Geschmack sowie relativ weiche Tannine. Man sollten bedenkten, dass die beiden Jahrgänge 2008 und 2007 gerade erst auf den Markt gekommen sind und dass diese Sangiovese-Weine enorm langlebig sind und ihr tatsächliches Potential erst etwa in 5-6 Jahren bzw. noch viel später erreichen/zeigen. Meine degustierten Weingüter waren u.a. Argiano, Banfi, Caparzo, Castiglion del Bosco, Donatella Cinelli Colombini, Poggio Antico, Cava d’Onice, Grazia…. Wer mein Favorit war, sehr schwer zu sagen. Sehr gut ist mir in Erinnerung der Brunello di Montalcino 2008 Caparzio geblieben, bei der Riserva Altero 2007…

Die Weinlese 2012 erhielt als Vorhersage die höchste Punktzahl, 5 Sterne. 2017 werden wir sehen, ob der Brunello di Montalcino bzw. 2018 der Riserva tatsächlich der Vorhersage entsprechen…

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Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

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