BERLUSCONI VERGISST AQUILA UND SEINE ERDBEBENOPFER

7 Juli, 2010 by Daniela Braun 

In Rom haben heute mehr als 5000 Erdbebenopfer aus der Region Aquila gegen den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi protestiert. Es wird ihm vorgeworfen, dass er sich kurz nach dem Erdbeben medienwirksam für die Opfer einsetzte, ihnen u.a. versprach alles schnellstmöglich aufzubauen und die Aquilani nicht im Stich zu lassen. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Zwar wurden schnell Holzheime für den Übergang aufgebaut und es wurde versprochen, die Stadt Aquila möglichst bald wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzubekommen. Die Erdbebenopfer protestieren, dass sie noch immer ohne Heim sind, dass Sie aufgrund der Einsturzgefahr auch keinen Zutritt in ihre zerstörten Wohnungen bekommen. Ein weiteres Problem ist, dass nur für ca. 1 Jahr für die Erdbebenopfer die Rückzahlung von Krediten bzw. Steuerzahlungen gestrichen wurden. Jetzt müssen diese – man bedenke, dass viele auch durch die Zerstörung des Erdbebens ihren Arbeitsplatz verloren haben und somit über keinerlei Einkommen mehr verfügen – seit Juli rückwirkend Kredite und Steuern zurückzahlen. Nicht für alle ist in diesen Holzheimen Platz. Bis vor der Sommersaison waren viele in Hotels und anderen Urlaubsunterkünften untergebracht, allerdings wurde dies gestrichen.  Wer Glück hat, lebt in Campern oder wer außerhalb eine Arbeitsstelle hat, hat für den Übergang eine Mietwohnung gefunden. Diese Menschen fragen sich, wie sie nun das Geld für diese Rückzahlungen aufbringen sollen und verlangen daher staatliche Hilfen und dass sie in ihre Wohnungen zurück können, denn es ist unmöglich neben den bereits existierenden Zahlungen noch eine neue Existenz gründen zu können. Verständlich nur, dass die über 5000 Protestanten einfach nur wütend sind, denn seit letztem Jahr war von Berlusconi in und um Aquila nichts mehr zu sehen bzw. man bekam von ihm nichts zu hören. Alles scheint still zu stehen. Die Wut hat leider auch zu einigen Verletzten geführt, darunter auch der Bürgermeister Massimo Cialente. Da bleibt nur zu hoffen, dass jetzt etwas passiert und dass die Regierung aufwacht, diesen Menschen wenigstens eine neue Existenzgründung, wie ursprünglich versprochen, zu ermöglichen.

Als Trumpf dazu hat Berlusconi auch noch als Sprecher eines Fernsehspots fungiert, wo er die Italiener dazu einlädt ihren Urlaub hier in Italien zu verbringen, um die italienische Wirtschaft anzukurbeln. Der Spot wurde am Morgen in Rom im Palazzo Chigi von der Tourismusministerin Brambilla vorgestellt, während draußen, in den Straßen Roms die Aquilani protestierten. Übersetzter Textauszug (man bemerke wörtlich und nicht sinngemäß, daher ein etwas sehr “blumiger” Stil) : <<…Das was Ihr seht ist Euer Italien, ein einzigartiges Land aus Himmel, Sonne und mehr sowie Geschichte, Kunst und Kultur geformt. Nutze Deinen Urlaub, um Italien besser kennen zu lernen, Dein magisches Italien.>>

Sie können sich hier den Originalspot Magic Italy mit Silvio Berlusconi als Sprecher ansehen:

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