CALABRIA TERRA LONTANA – KALABRIEN WEIT AB VON ROM

//CALABRIA TERRA LONTANA – KALABRIEN WEIT AB VON ROM

CALABRIA TERRA LONTANA – KALABRIEN WEIT AB VON ROM

Kalabrien, weit entferntes Land… Wie weit Kalabrien von der Toskana entfernt ist, konnten wir bereits auf der Hinfahrt erfahren. Fast tausend Kilometer, ca. 11 Stunden non-stop über Nacht, unterhalb der Woche, um sengende Hitze sowie Verkehr zu vermeiden. Abwechselnd fuhren entweder ich oder mein Mann und der andere ruhte sich aus; ansonsten hätte es wohl noch länger gedauert. Una strada senza fine, das dachte ich mir bereits in der Maremma, südlich von Grosseto, wo die Superstrada (die Schnellstraße), die einzige Verbindungsmöglichkeit gen Süden, nur einspurig ist, teils 50 km/h und Höchstgeschwindigkeit, wenn überhaupt 90 km/h; über eineinhalb Stunden, um endlich den Beginn der Autobahn vor Civitavecchia zu erreichen.

Mein Mann, der ja eigentlich ausgeruht hatte (ich selbst saß wie immer noch bis 20 Uhr vor dem Computer), war schon bei Capalbio müde und somit musste wieder Blond, made in Germany, ans Steuer und das bis Rom, wo wir an unserem Standardstop Autogrill Frascati halt machten. Danach weiter, möglichst an Caserta und Neapel ohne Halt vorbei, bis südlich von Battipaglia, unser Standarstopp „Campagna“, um neben Benzin auch frischen Mozzarella di Bufala D.O.P. zu „tanken“, etwas Kaffee und weiter gings. Allerdings wurde unsere angenehme Fahrt in der kühlen Nacht vor Lago Negro durch ein Winken von Autobahnarbeitern unterbrochen. – Ja, wir waren nun südlich von Salerno, der berühmt berüchtigten Autobahn Salerno-Reggio Calabria, wo man ab Salerno auch keine Autobahngebühr mehr zahlt. Grund ist wohl, dass die Autobahn eigentlich schon seit den 60er Jahren fertig sein sollte, aber dies praktisch noch nicht ist. Überall Baustellen, einspurig etc. wo man tagsüber wirklich von einem Stau in den nächsten gelangt. Der Hauptgrund für das Nichtfertigstellen ist wohl, dass südlich von Neapel sehr weit von der Hauptregierung in Rom entfernt ist und somit eine etwas andere Regierung das Sagen hat, die wohl auch bei den Arbeiten kräftig mitverdient. – Wir mussten also von der Autobahn abfahren, entlang hügeliger, enger Straßen weiter in Richtung Süden. In die Gegenrichtung, also Richtung Norden, waren bereits gegen 3 Uhr heftige Autokolonnen unterwegs (wir fuhren Donnerstag auf Freitagnacht), in der Hoffnung, bereits vor dem kommenden Wochenende, dem Hauptverkehr der Heimpilgerer zu entkommen. Vor 6 Uhr morgens sahen wir schon die ersten, kilometerlangen Staus auf der Gegenfahrbahn, darunter auch sehr viele deutsche Kennzeichen. Alleine bei der Vorstellung noch min. 1500 km in Richtung Deutschland beim Hauptrückreiseverkehr vor sich zu haben, lies mir Schauern über den Rücken laufen. Endlich, gegen 9 Uhr hatten wir unser Ziel Gioisa Jonica erreicht. Bereits von Zuhause – dachten wir – an die tropische Hitze gewöhnt zu sein, aber als wir die Autotür aufmachten, schien sich uns eine wahre Sauna aufzutun. Afrikanische Hitze! Afrika liegt ja tatsächlich im Vergleich zu Rom nur einen „Katzensprung“ entfernt.

Unser geliebtes Strandbad am Jonischen Meer

Unser geliebtes Strandbad am Jonischen Meer

Wie weit, Rom entfernt liegt, das mussten wir erst vor einigen Tagen erfahren. Wir fuhren am späten Vormittag an den Strand, bei der Hitze nichts sehnlicher wünschend als ein kühles Bad im herrlichen Jonischen Meer. Bereits im Auto erzählte uns meine Schwiegermutter, dass sie in der Piazza erfahren habe, dass wohl ein Öltanker seine Tanks gewaschen und diese im Meer ausgeladen hatte. Gerade am Strand angekommen, erkundigten wir uns bei unserem Lido und diese sagten, dass es wohl weiter in Richtung Locri sei, man dort wohl die Strände geschlossen hätte, hier aber noch nichts angekommen sei bzw. weder die Gemeinde noch die Küstenwache keinerlei Warnung gegeben hätten.

Mein Mann auf dem Tretboot sich den Teerteppischen nähernd

Mein Mann auf dem Tretboot sich den Teerteppischen nähernd

Wir machten es uns unter unserem Sonnenschirm bequem, auch wenn man nichts sehen konnte hatte keiner von uns den Mut auch nur ins Wasser zu gehen. Gerade, als wir uns schließlich zum Mittagessen ins Strandrestaurant gehen wollten, sah mein Mann schwarze Teppiche auf uns zuschwimmen. Gemeinsam mit dem Chef rissen sie die grünen Abdeckungen beim Restaurant ab, um diese als Auffangnetze zu nutzen, nahmen sich das Tretboot und fuhren mit diesen auf die Teerteppiche zu. In der Zwischenzeit hatten sich die anderen Badegäste mit allem verfügbarem Gerät am Strand bewaffnet, um den Teer aufzufangen. Alles Anrufen bei der Küstenwache half nichts. Unter der Telefonnummer der Gemeinde schaltete sich nur das Fax ein usw.

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Bei den Carabinieri musste ich zwei Mal versuchen, bis ich schließlich jemandem am Apparat hatte, der mir sagte, dass wir die Küstenwache verständigen müssten, die uns nicht antwortete. Man versprach mir, das zu übernehmen. Mittlerweile war es bereits 15 Uhr und es hatte sich noch keiner blicken lassen. Die Badegäste – anstatt im Stranderestaurant zu essen – damit beschäftigt, den Teer aufzufangen. Eine Freundin lies mir per Telefon die Nummer von Legaambiente zukommen, die mir mitteilten, dass man dabei sei alles zu organisieren, es nicht sofort sein könnte, da wie gesagt, Rom ja weit entfernt sei und die Region Kalabrien nicht über die nötigen Mittel verfüge.

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Wir hätten ehrlich gesagt gerne mehr getan und gerne gewusst, wohin mit dem Teer bzw. hätte man uns Traktoren oder sonstiges zur Verfügung gestellt, hätten die Badegäste gerne mit angepackt, um ein solches Umweltdesaster weitgehendst zu verhindern. Bis am Abend hatte sich keiner blicken lassen. Der Teer wurde in verfügbaren Schubkarren, Eimern etc. untergebracht. Gestern, dh. 2 Tage später waren Schubkarren und C0. noch nicht abgeholt und ich konnte aus der Zeitung entnehmen, dass ein Politiker über die Küste geflogen sei, um sich ein Bild der Situation zu machen. Seiner Aussage nach sei die Situation unter Kontrolle, das Wasser wieder herrlich und über 500 Helfer am Werke, um die Badesituation im Laufe des Tages wiederherzustellen. Fakt ist allerdings, dass ich entlang der Küste bei uns, keinen dieser 500 Helfer ausmachen konnte. Noch gestern konnten wir nicht baden, da kleine Teerstücke angeschwemmt wurden, die sich an den Steinen festsetzen.

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Badegäste versuchen den Teerteppich einzufangen

Diesen Politker hätte ich gerne zu einem Bad bei uns im Lido eingeladen. Sollten die Teerstücke nicht entfernt werden, so können wir wohl in diesem Jahr nicht mehr an unserem Lieblingsstrand baden gehen. Als wir die Gemeinde anriefen, wg. des noch am Strand befindlichen Teers, meinte diese, dass man auf die Helfer der Region warten würde?! Keine Ahnung, aber bei uns in der Stadt (OK, wir sprechen von der Toskana) übernimmt so etwas die Gemeinde und würde in einem solchen Falle bestimmt nicht darauf warten, dass die Region einspringt, um sich in der Badesaison die Strände verseuchen zu lassen. Eigentlich könnte es hier so herrlich sein, das Meer, das Essen, die Herzlichkeit der Menschen, aber dieses Nichtstun, das Augenverschließen, die Organisation hier können einem schon wahnsinnig machen. Es ist tatsächlich so, Calabria – Terra Lontana, man meint fast, man sei in einem anderen Land, nicht in Italien, irgendwo noch weiter südlich in Richtung Afrika…

2017-06-05T10:56:55+00:00 30 August 2009|Categories: Aus Italien|Tags: , , , |0 Kommentare

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Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

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