Das vergangene Wochenende wurde zu einer Art Geduldprobe nicht nur für die Politiker sondern auch für die Italiener. Waren da auf der einen Seite Berlusconi und seine Anhänger, die damit drohten die Regierung stürzen zu lassen, indem sie ihr nicht das Vertrauen aussprach, warteten auf der anderen Seite mit Angst und Spannung die Italiener auf die Entscheidungen aus Rom, was weitere steuerliche Erhöhungen anbelangte. Seit Monaten bereits zanken sich Berlusconis PDL mit den verbündeten der Linken (PD), ob nun die Mehrwertsteuer von 21 auf 22% angehoben wird sowie ob es weitere Steuererhöhungen für Müllsteuer (TARES), Immobiliensteuer (IMU) usw. geben soll.

Würde es zu einer Anhebung der Mehrwertsteuer kommen, so würden sie das Bündnis mit den Linken nicht aufrechterhalten und die Regierung stürzen. Italiens Premier Enrico Letta hatte somit am vergangenen Wochenende die ständigen Erpressungen der Berlusconi-Anhänger satt und verlangte somit ein Vertrauensvotum. Am Sonntagabend entschied die Regierung Letta, dass ab dem 1. Oktober die Mehrwertsteuer von 21 auf 22% angehoben würde. Nur einen Tag später das Vertrauensvotum. Einige Berlusconi-Treue haben sich für die Regierung Letta entschieden, sodass diese schließlich die sehnlichst erhoffte Mehrheit hat. Wie es nun wieder weitergeht, bleibt fraglich. Zwar bleibt die Regierung zuerst einmal bestehen, aber es sitzen weiterhin dieselben Verantwortlichen am Ruder, die es während dieser Zeit nicht schafften, Reformen für die Zukunft Italiens zu schaffen. Berlusconi scheint ein wenig erschlagen beigegeben zu haben, aber warten wir ab, bis er sich nach dieser Niederlage wieder aufrappelt, ganz nach dem Motto: Come prima, più di prima…