Karfreitag all’americana in der Toskana

//Karfreitag all’americana in der Toskana
  • Pitigliano

Karfreitag all’americana in der Toskana

Ein guter Freund aus Follonica, der vor einigen Jahren mit seiner amerikanischen Frau zurück in die USA gegangen ist, bat mich seinen besten Freunden, die einen Urlaub in der Toskana machten, gemeinsam mit seinem Vater (der kein Englisch spricht) seine Ursprungswurzeln zu zeigen.
Diese liegen in Pitigliano, einem wunderschönen, auf Tuffstein errichtetem Hügelort in der süd-östlichen Toskana, nicht weit von Umbrien und dem Latium entfernt. Giorgio, der Vater meines Freundes holte mich also am Morgen ab, damit wir gemeinsam pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt in Pitigliano ankamen. Bereits wenige Minuten, bevor wir (pünktlich und das in Italien!!!) unser Ziel erreichen sollten, klingelte das Telefon und man sagte mir, dass sie in einem Ort seien (den ich noch nie gehört hatte, aber naja, amerikanische Aussprache eines italienischen Ortes hört sich eben schon komisch an) und so in ca. 15 Minuten bei uns sein müssten. Kein Problem dachte ich… In der Piazza, wo wir uns in Pitigliano verabredet hatten, gab es keine freien Parkplätze, sodass wir kurzfristig umdisponierten

Agriturismo Sovanella bei Sorano

Agriturismo Sovanella bei Sorano

Ich rief Terry an und sagte ihm, dass sie sich bitte in Richtung „ospedale“ halten sollten und wir ihn dort erwarten würden und fragte so nebenbei, wo sie sich etwa aufhielten. Er antwortete mir daraufhin, dass sie auf der A1 seien (das ist die Verbindung Florenz/Rom und viel weiter im Landesinneren!!) und eben an Città della Pieve (Umbrien) vorbei seien!!! Oh mamma mia, was war geschehen??? Man hatte meine GoogleMap-Anweisungen wohl nicht beachtet, da man dachte, dass die GPS -Systeme in Italien genauso genau arbeiten würden wie in den USA. Dies hatte sie anstatt auf die Cassia von Siena in Richtung Pitigliano, auf die A1 in Richtung Rom gelotst…. OK, Città della Pieve war nun schon vorbei, sodass für diese nun die nächste günstigste und einfachste Möglichkeit war, sie in Orvieto abfahren zu lassen und sie dann über Bolsena in Richtung Pitigliano zu lotsten. Wir haben sie dann auf halber Strecke Pitigliano/Orvieto erwartet. Nach über drei Stunden Fahrt für die 19-köpfige Familie „Americani“ und mit fast 2 Stunden Verspätung, konnte unser Tag dann schließlich bei schönstem Wetter starten. Es handelte sich hier um keine Großfamilie sondern um ein Familientreffen in der Toskana.

Portiko des Agriturismo

Portiko des Agriturismo

Auf Grund der fehlenden Zeit musste Giorgio seinen Plan komplett umwerfen; anstatt wie geplant vor dem geplanten Mittagessen Sovana und Sorano zu besuchen, machten wir einen Kurzabstecher nach Sorano und dann ging es zum Mittagessen in einen kleinen Agriturismo, wo Giorgio ein „leichtes“ toskanisches Mittagessen vorbestellt hatte, da wir mit 21 Personen, davon 11 Kindern so leicht kein geeignetes Restaurant gefunden hätten. Noch dazu war er sehr darauf bedacht, dass die Küche sehr typisch, absolut frisch und aus eigener Herstellung war. Ein freundlich gedeckter Tisch erwartete uns und als Antipasti gab es Crostini Toscani (dh. die mit Hühnerleber) sowie noch weitere Zucchini-Crostini. Danach gab es hausgemachtes Acquacotta, eine Brotsuppe mit Gemüse der Saison, hausgemachte Pici, dh. runde, etwas dickere Spaghetti mit Tomatensauce (in erster Linie für die Kinder) und natürlich hausgemachte Tortelli Maremmani con ragù di carne (Teigtaschen gefüllt mit Ricotta und Spinat mit Hackfleischsauce).

Die Tafel

Die Tafel

Da der Italienier eigentlich fast nicht ohne Hauptspeise (Pasta gilt als Vorspeise) kann, gab es noch Weißbrot mit riesigen Wurstplatten, ausgelegt mit Finocchiona (toskanische Salami mit Fenchel), Capocollo (eine Art Schinken, dessen Stück aus dem Oberhals des Schweines stammt) und Prosciutto Toscano (letzteres etwas salziger als Prosciutto di Parma), 4 Sorten Pecorino, vom einfachen, jungen bis über reifen  mit Peperoncino sowie Kräutern und einer reinen Ricotta di Pecora (Schafsricotta), alles aus eigener Herstellung und begleitet von reichlich Vino Rosso della Casa (aus eigener Herstellung)…
Zum Dessert Obst der Saison, eine leckere Ananas-Sahnetorte und danach noch köstliche Cantuccini mit Vinsanto. Toll war, dass die Cantuccini auch kinder- bzw. 3. Zähne geeignet waren, dh. es gab einmal etwas härtere und dann weichere (die Härte erzielt man, indem man sie, nachdem man sie in Scheiben geschnitten hat, noch etwas länger im Ofen lässt). Klar gab es dazu den örtlichen Vinsanto (Infos zu Cantuccini&Vinsanto).

Tomba Ildebranda bei Sovana

Tomba Ildebranda bei Sovana

Danach machten wir einen Verdauungsspaziergang zur Tomba Ildebranda, in der Nähe von Sovana, der berühmtesten etruskischen Grabstätte aus der ersten Hälfte des 3. Jh. v.Chr. Der Name Tomba Ildebranda stammt vom wichtigsten Einwohner von Sovana im Mittelalter, Papst Gregorio VII oder auch Ildebrando da Sovana.
Es handelt sich hier um die größte etruskische Grabstätte, ein riesiges heiliges, in den Hügel eingemeiseltes Gebäude, das man über eine ebenfalls in den Stein gemeiselte Treppen von rechts und links erreicht. In der Vergangenheit muss es wohl aus 6 Eingangssäulen sowie weitere Verzierungen bestanden haben, die im Laufe der Jahrhunderte zerstört wurden. Um die Größe und Besonderheit zu verstehen, muss man sich vorstellen, über welche Werkzeuge die Etrusker im 3. Jahrhundert v. Chr. verfügten und welche Arbeit es gewesen sein muss, diese Grabstätte aus dem Hügel zu meiseln und dann noch den Schutt wegzuschaffen. Darüber hinaus die Genauigkeit mit der noch heute sichtbare Verzierungen in den Stein gemeiselt wurden. Unglaublich! Giorgio erzählte uns, dass das Grab erst in den späten 50er Jahren entdeckt wurde und darin unvorstellbare Grabschätze aus Kupfer und Gold enthalten waren. Die ganze Gegend ist mit wichtigen Gräbern übersäht und der Ein oder Andere hat sich wohl dort zu dieser Zeit noch ungeheuer bereichern können… Es gab damals noch keine elektrischen Geräte und die Grabräuber gingen mit Stöcken durch die Gegend und könnten durch deren Aufstampfen erkennen, ob sich unter dem Boden eine Grabkammer befand.

Zeichnung der ursprünglichen Grabstätte

Zeichnung der ursprünglichen Grabstätte

Als wir schließlich zum Parkplatz zurück kamen, war es schon recht spät und unser geplanter Besuch von Sovana klappte leider nicht mehr. Wir entschlossen uns also einfach nur zu Giorgios Weinkeller zu fahren, der außerhalb von Pitigliano liegt und ebenfalls in den Tuffsteinberg gemeiselt wurde. Als wir dort ankamen, konnten wir an einem sehr lustigen Schauspiel teilhaben: ein Schäfer „lenkte“ seine Schafe mit dem Moped die Wiese hinunter. Einen Hund konnten wir nicht ausmachen…. Schließlich ging es in Giorgios Tuffsteinweinkeller. Dort konnten wir dann direkt von den Fässern seine Weine verkosten. Hier muss ich nicht sagen, dass wir dort hängen geblieben sind und der anschließende Besuch in Pitigliano nichts mehr wurde, da unsere Freunde nach Siena zurückkehren mussten… Schade. Es war ein wunderschöner Tag mit vielen netten Leuten, auch wenn etwas anstrengend, da wohl endlich jemand da war, der alle Fragen auf Englisch beantworten konnte…

Das Hinterland der Maremma ist wunderschön, traumhafte kleine Hügelorte, eine traumhafte Landschaft und eine super Küche. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gegend weniger bekannt ist und man daher auch im Vergleich zur übrigen Toskana sehr günstige Unterkünfte findet.

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2014-01-30T15:43:26+00:00 14 April 2009|Categories: Aus Italien|Tags: , , , , , , , |0 Kommentare

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Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

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