Tragisches Schiffsunglück vor der Küste

//Tragisches Schiffsunglück vor der Küste
  • Fahrt zur Costa Concordia

Tragisches Schiffsunglück vor der Küste

Am Samstag, 14. Januar 2012, ging ich bei herrlichstem Sonnenschein, traumhaften winterlichen Temperaturen (ca. 15° C) mit meinen Hunden zu Fuss in die Stadt, um Brot zu holen und eventuell noch ein Schnäppchen bei den Saldi Invernali, dem Winterschlussverkauf zu machen. Das Meer schien ein herrlich blauer, sanfter Teppich, eingerahmt von einem fast wolkenlosen Himmel.  Ich hatte an diesem Morgen noch keine Nachrichten gesehen oder gehört, sodass ich keinerlei Ahnung hatte, was sich etwas weiter südlich von uns, vor Giglio zugetragen hatte. Gerade als ich die Bäckerei verlies, rief mich mein Mann an, um mir mitzuteilen, dass irgendwie ein Schiff vor Giglio Probleme hatte und mich gleich ein Offizier anrufen würde, um per Telefon zu dolmetschen. Nicht allzu sehr erschrocken, denn es kommen doch immer mal kleinere Unfälle vor, wobei man sich dann bei Kleinigkeiten nicht verständigen kann, wartete ich auf den Anruf, der auch nur wenige Sekunden später eintraf. Hier bemerkte ich, an der Stimme sowie den Hintergrundgeräuschen und natürlich auch bei dem, was ich übersetzte, dass etwas schlimmeres passiert sein musste.

Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, dass bei traumhaftem Wetter (was auch bereits am Vortage herrschte) ein so großes Kreuzfahrtschiff vor der kleinen Insel Giglio in den vergangenen 24 Stunden Probleme gehabt haben könnte. Bereits am Nachmittag wurden Stimmen laut, die sagten, dass der Schiffskaptän sich der Insel näherten, um sie wie üblich (es fährt jeden Freitag an der Küste entlang) „zu grüßen“. Diesmal kam wohl noch hinzu, dass er dem von der Insel stammenden Oberkellner, dem Gefallen erweisen wollte, der bereits in der Vorwoche das Schiff verlassen sollte und sich somit wahrscheinlich noch weiter als üblich näherte und hierbei das Unglück geschah. Man kann nicht verstehen, wie so etwas trotz modernster Navigationstechniken passieren konnte. Hinzu kommt, dass es einfach bekannt ist, dass zahlreiche Felsen um Giglio, den so gennanten Formiche, aus dem Wasser ragen. Auch kann man nicht verstehen, was die Küstenwacht tat, die doch dank ihrer Satellitensysteme sehen mussten, dass das Schiff viel zu nahe an der Insel und somit den gefährlichen Felsen war.

Zwar scheint der Kapitän noch versucht zu haben, das Schiff nach dem Unfall näher zur Insel zu bringen, um somit die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Dem Kapitän wird vorgeworfen, viel zu spät Alarm gegeben zu haben. Der Vorfall passierte gegen 21.30 und erst gegen 22.45 Uhr ging die Alarmmeldung ein. Bereits ab 21.40 Uhr gingen unter der Notrufnummer bei den Carabinieri zahlreiche Anrufe von besorgten Passagieren ein. Nach einer versuchten Kontaktaufnahme mit der Concordia erhielt man die Antwort, dass man mit einem elektrischen Blackout zu kämpfen habe, welches man dabei sei, unter Kontrolle zu bringen. Viel zu spät, bereits als das Schiff komplett geneigt war, begann man damit die Notboote nach unten zu lassen, wobei somit jene, auf der Seite der Neigung, nicht mehr ins Wasser gelassen werden konnten. Zeugen sagten aus, dass sehr viele Passagiere zurück in ihre Kabinen seien, um die Rettungswesten zu holen, da natürlich auf den Decks eine nicht ausreichende Anzahl an Rettungswesten vorhanden war und einige danach nicht mehr zurück kehrten. Viele Passagiere werfen desweiteren der Crew vor, dass sie nicht in der Lage war, mit der Situation umzugehen.

Was genau passiert ist, das wird sich in den nächsten 1-2 Tagen nach genauer Auswertung der Blackbox herausstellen. 6 Tote bisher, weitere 29 Personen werden noch vermisst. Man hofft, eventuell noch weitere Überlebende, eventuell in einer Luftblase, in den Kabinen zu finden, auch wenn langsam die Hoffnung schwindet. Auf traurige Weise ist die kleine Insel Giglio, deren offizielle Einwohnerzahl etwa ein Drittel der Schiffspassagiere ausmacht, zu weltweitem Ruhm gelangt. Giglio, bestehend aus drei Ortschaften – Giglio Porto, Giglio Castello und Campese – ist ein kleines Juwel, beliebtes Ziel für Tagesausflügler zum Baden im herrlichen Meer, das die Insel umgibt. Man erreicht die Insel mit einer kleinen Fähre von Porto Santo Stefano, welche bei der Ankunft den kleinen Hafen komplett auszufüllen scheint. Es gibt nur sehr wenige Hotels, die auch nur während der Sommermonate geöffnet sind. Mit dem Ende der Sommersaison leert sich die Insel; Restaurants geschlossen, nur das wichtigste wie Bäckerei, Bar und Lebensmittelgeschäft geöffnet. Es ist schwer vorstellbar, wie es in der Nacht auf Giglio zugegangen sein musste und wie lange es dauerte, über 4000 gerettete Menschen ans Festland zu bringen. Die Bevölkerung der Insel Giglio hat wohl in der Nacht getan, was sie konnte, indem sie die Schiffsbrüchigen mit warmen Getränken, Essen, Decken, Jacken, gar Schuhen versorgten. Auch die Einwohner des kleinen Porto Santo Stefano taten, was sie konnten, so beispielsweise ein Tauchlehrer, der beim Abendessen, als er davon hörte, sich gleich mit seinem kleinen Boot nach Giglio aufmachte. Italienische und europäische Passagiere konnten bereits am Samstag die Heimreise antreten, während Passagiere aus Nicht-EG-Staaten in dafür eröffneten Unterkünften untergebracht wurden, so lange, bis Ersatzausweispapiere für eine mögliche Weiterreise ausgestellt worden sind.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter in den nächsten Tagen standhält, diese menschliche Tragödie sich nicht noch in eine Umweltkatastrophe wandelt. Es ist kalt geworden und am Morgen nieselte es leicht, aber solange das Wasser ruhig ist, dürfte die Costa Concordia von den Felsen gehalten werden, auf denen sie gestrandet ist, sodass die Rettungsarbeiten sowie das Absaugen des Kerosins, was für die nächsten Tage angesagt ist, hoffentlich reibungslos ablaufen können.

2015-10-22T12:23:20+00:00 16 Januar 2012|Categories: Aus Italien|Tags: , , , |0 Kommentare

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