Überschwemmungen und Opfer in der Maremma Toskana

//Überschwemmungen und Opfer in der Maremma Toskana

Überschwemmungen und Opfer in der Maremma Toskana

Am vergangenen Wochenende hatten starke Regenfälle bereits in der Provinz Massa Carrara, in der nördlichen Toskana zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Am Samstagabend erreichte das Unwetter schließlich auch die südliche Toskana. Bereits der Sonntag war von enorm starken Regenfällen und Gewittern gezeichnet, eigentlich für diese Jahreszeit relativ normal, auch wenn die Temperaturen eher an Anfang Oktober als November erinnern. Am Montagmorgen schien es überhaupt nicht mehr hell zu werden und auch aufgrund der enormen Wassermassen war überhaupt nicht an Gassigehen mit den Hunden zu denken. Bereits gegen 8 Uhr rief mich mein Mann an, um mir mitzuteilen, dass Grosseto praktisch im Wasser versank und er einen etwas höher gelegenen Parkplatz für das Auto gesucht hatte… Irgendwann im Laufe des Morgens erfuhr man, dass die Schnellstraße von Grosseto in Richtung Rom komplett gesperrt sei und auch keine Züge mehr nach bzw. von Rom gingen, da das Wasser sowohl die Eisenbahnlinie als auch die Schnellstraße erfasst hatte. Draussen schüttete es und ich befürchtete auch bei uns das Schlimmste! Nur langsam sickerten immer mehr Infos durch, sodass nur noch die Socialnetworks blieben, um zu sehen, ob einige Bekannte eventuell Neuigkeiten hätten. Tatsächlich waren die Fotos von Grosseto und Umgebung einfach nur erschreckend. Bis gestern Abend war nur von 2 Opfern, einer 73-jährige Frau, die in ihrem Auto von den Wassermassen in Orbetello erfasst und schwer verletzt wurde, ein Mann gleichen Alters, der in Capalbio in seinem Auto von den Wassermassen mitgerissen und leider nur noch tot geborgen werden konnte sowie 3 Vermisste. Irgendwann erfuhr ich schließlich, dass Albinia komplett unter Wasser stand. Ich schickte einer dort wohnenden Freundin eine SMS, um zu erfahren, ob es ihr gut ging. Sie schrieb mir gleich, dass das Chaos ausgebrochen sei. Man hatte noch versucht die Autos wegzubringen, in eine etwas höhere Lage (man bedenke, dass Albinia eigentlich ganz flach ist!), die Computer aus dem Büro im 1. Stock zu retten. Als ich sie später anrief, sagte sie mir, dass sie nichts wüsste, da sie bereits seit am Morgen ohne Strom und Wasser im oberen Stockwerk ausharrten. Albinia sei wie ein riesiger, an das Meer angrenzenden See gewesen! Vom Fenster hätten sie Autos, Wohnwagen eines nahe gelegenen Abstellplatzes am Haus vorbeischwimmen sehen. Einfach unglaublich, welche Wassermengen ein so kleiner Fluss, der im Meer mündet, mit sich gezogen hatte. Mein Mann kam nur mit viel Glück Zuhause an, da auch von Grosseto in Richtung Norden viele Straßen überschwemmt waren. Einige Kollegen aus dem südlichen Grosseto konnten ihr Zuhause nicht erreichen und übernachteten somit in der Kaserne oder bei Freunden.

Heute Morgen 7 Uhr, die Wolken zogen weiter und zaghaft kam die Sonne hervor. Als ich mit meinen Hunden unterwegs war, hatte man das Gefühl, dass tatsächlich die Ruhe nach dem Sturm war. Die Schulen waren geschlossen und nur wenige Autos fuhren. Tatsächlich war für Autofahrer auch heute noch kein Durchkommen in Richtung Süden. Die gesamte Gegend auf der tyrrhenischen Seite südlich von Grosseto, bis ins nördliche Latium bei Montalto di Castro war wohl am stärksten betroffen. Es war, als würde sich ein breiter Unwetterstreifen von der südlichen Toskana-Küste über Umbrien bis an die Adriküste ziehen. Ab Valdichiana war auch die Autobahn nach Rom aufgrund Überschwemmungen gesperrt, sodass fast kein Durchkommen von Norden nach Süden und umgekehrt war. Am späten Vormittag erfuhr ich, dass drei Mitarbeiter der Stromversorgungsgesellschaft ENEL zwischen Manciano und Albinia, auf der Brücke „della Marsiliana“ ums Leben gekommen waren. Es handelte sich hier um 2 Männer sowie eine Frau, ein Mann aus unserem Ort, die auf dem Wege von einem Seminar in Rom waren. Als die ENEL-Mitarbeiter in ihrem Fiat-Punto die Brücke überquerten, stürzte diese aufgrund der Wassermassen komplett ein, sodass deren Auto unter den Schlamm- und Geröllmassen vergraben wurden. Ein nachfolgender PKW wurde Zeuge des Geschehens und konnte gerade noch rechtzeitig abbremsen. Zwar ist das Wasser dabei langsam abzulaufen, aber selbst heute konnte man sich in Albinia nur mit Booten bewegen. Soldaten, Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz sowie Privatpersonen halfen mit Booten alte und kranke Menschen sowie Kinder aus dem Ort zu schaffen. Mit einem Aggregator wird versucht Strom zu erzeugen.

Als ich am Abend mit meiner Freundin telefonierte, erzählte sie mir, dass sie ihr Telefon an einem der 3 Häuser aufgeladen hätte, die noch Strom hatten. Weinend erzählte sie mir, dass man im Laufe des Tages versucht hatte, sich ein Bild der Situation zu verschaffen. 3 ihrer 7 Autos sind komplett von den Wassermassen zerstört. Private Dinge schwammen vor ihren Augen durch die Straße in Richtung Meer. Von dem, was in den Kellerräumen und Garage lagerte wird wohl nichts mehr zu gebrauchen sein, das Aktenarchiv zerstört…

Man weiß nicht, wie lange es noch dauern wird, bis Strom- und Wasserversorgung wieder hergerichtet sind. Ab Morgen beginnt das große Aufräumen. Die Straße nach Rom scheint komplett eingebrochen, ab wann dort wieder Autos fahren bzw. welche Umgehung genutzt werden kann, das bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für die Schäden der Einwohner.

Fotos:
Albinia Sommersa

zerstörte Umgebung und Straßen

Fotos der Rettungsaktionen

Artikel:

Corriere della Sera

Video:

Video von Helfern in Albinia

2014-10-15T18:36:35+00:00 13 November 2012|Categories: Aus Italien|Tags: , , , |0 Kommentare

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