Toskana-Küste: Eine Möwe lernt fliegen
26 Juni, 2009 by Daniela Braun
Da wir nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt wohnen, hat sich ein Schwarm Möwen seit einigen Jahren unser Wohngebiet als Nistplatz auserkoren. Möwen nisten und leben normalerweise zwischen den Felsen, sodass ich Grund zur Annahme habe, dass die Möwen durch Arbeiten an den Felsen im Meer vertrieben wurden und sich als Nistplatz ein “angenehmes” Dach im nahegelegenen Wohngebiet ausgesucht haben. Im Frühjahr, pünktlich zur Brutzeit geht es dann so richtig rund.

Die Mittelmeermöwe auf unserem Dach
Die Möwen schreien bereits morgens gegen fünf Uhr bis in die Nacht. Dunkelheit scheint ihnen nichts auszumachen. Die Mittelmeermöwe ist eine sehr elegante Möwe. Sie hat einen weißen Körper, graue Flügel und gelbe Füße sowie einen ganz besonderen Schnabel, ebenfalls von gelber Farbe mit einem roten Punkt. Dieser Punkt dient wohl für das Küken zur Futteraufnahme. Die Mittelmeermöwe (it. gabbiano reale) lebt im Schwarm und beginnt erst ab dem 5. Lebensjahr geschlechtsreif zu sein. Im allgemeinen werden zwischen 2 und 3 Eiern gelegt, aus denen – von Mai bis Juni - nach ca. 25-27 Tagen Brutzeit die Küken schlüpfen. Die Küken beginnen schließlich sich um das Nest zu bewegen und erste Erkundungen einzuholen und lernen wohl auch so langsam fliegen (etwa ab 40 Tagen). Am Anfang ist die Möwe grau-braun mit dunklem Schnabel und Beinen. Sie benötigt etwa 3 Jahre, um sich zu einer eleganten weißen Möwe zu entwickeln und hat eine Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren. Sie ist sehr anpassungsfähige, was auch schon zu wahren Möwenplagen geführt hat.

Mittelmeermöwe wartet auf ihre Eltern
Vor zwei Wochen fand unser Nachbar Simone (ist im Italienischen ein Männername!) vor dem Eingang eine völlig verängstigte, kleine Möwe, die wohl irgendwo aus der Nachbarschaft aus ihrem Nestbereich abhanden gekommen war. Verzweifelt flog ihre Mutter hin und her; da Simone nicht wußte, wo das Nest war, beschloss er die Möwe auf die Gemeinschaftsterrasse im letzten Stock zu tun, sodass ihre Eltern zu ihr konnten. Keine Ahnung, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelte, aber sie wurde auf Filippo getauft. Filippo entdeckte allerdings ruckzuck, dass es nebenan eine viel interessantere Terrasse mit vielen Pflanzen und Wassermöglichkeiten gab, nämlich unsere, sodass er kurzerhand umzog. Da wir nicht wußten, inwieweit er bereits alleine fressen konnte bzw. ob er auch tatsächlich von seinen Eltern versorgt wurde, versuchten wir ihn zu füttern, was aber in unserem Beisein nicht unbedingt angenommen wurde. Als mein Mann versuchte, ihn mit einem langen Stab (sollte “schnabelähnlich” sein) zu füttern, wurde er vom Möwenschwarm angegriffen, die den kleinen Matz natürlich nicht aus den Augen lies. Also entschieden wir uns, ihm etwas Futter hinzustellen und dass entweder seine Eltern ihm halfen oder er es selbst annahm. Ich hatte mich in der Zwischenzeit etwas Möwen schlau gemacht, sodass er von mir am nächsten Tag einen Teil meines Zackenbarsches vom Mittagessen abbekam, rustikal serviert auf einem Stück kaputtenem Terrakottatopf, der auch nachher weg war.

Filippo die Babymöwe
Ich hatte den Barsch gegart, da ich ehrlich zugeben muss, dass mir roher Fisch auf der Terrasse doch etwas ekelig war… Am Abend hatte ich noch etwas feuchtes, nierenfreundliches Futter (mit viel Ei!) von unserer 14-jährigen Flo, was er wohl mochte. Einige Tage später kam er auch wenn man ihn rief und Futter hatte. Man konnte es ihm zuwerfen und er holte es sich. Von Tag zu Tag kam er näher, klar immer mit einem Elternteil, was vom Dach alles ganz genau beobachtete. Ich konnte sogar ganz nah an ihm vorbeigehen, allerdings drehte ich mich dabei in die Gegenrichtung, aus Angst, dass er eventuell auf der Flucht nach unten fallen würde. Wenn er an mir vorbei stolzierte, dann stets in die andere Richtung sehend, nach dem Motto: ” ich seh Dich nicht und Du mich auch nicht”. Es war schon sehr interessant mitanzusehen, wie er mit seinen Eltern sowie den anderen vom Schwarm kommunizierte, wie er sie rief, wenn er sich wohl alleine fühlte, da keiner zu sehen war und gleich die nächste Möwe wieder über dem Haus kreiste. Am liebsten machte er es sich in Panoramalage auf meinen Blumentöpfen bequem. Einen Wassernapf warf er auch manchmal um und machte Blödsinn mit diesem und dem Wasser, was dann durch die Gegend spritzte. Eine weitere Lieblingsbeschäftigung war unsere Terrassentür, in der er wohl sein Spiegelbild sah, mit dem er gerne kommunizierte und schmuste. Nach dem Angriff auf meinen Mann und auch, da ich gelesen hatte, dass es Möwenangriffe auf kleine Hunde gegeben hatte, mußte ich natürlich immer aufpassen, dass ich die Terrassentür geschlossen hielt bzw. meine kleinen 2 kg Pudel nur in meinem Beisein auf der Terrasse weilten. Dies war auch besser, denn bei meinen Pudelis (der Standardpudel wurde ursprünglich zur Jagd auf Wasservögel genutzt!) geht schon mal gerne der angeborene Jagdtrieb durch, was in diesem Falle nicht von Vorteil für die 3 gewesen wäre.

Flugversuche einer kleinen Möwe
So süß so eine Möwe auch ist, aber deren Ausscheidungen, das war wirklich sehr unangenehm und schlecht zu entfernen. Naja, ich habe es sportlich genommen: sehr gutes Armtraining und das noch unter der Sonne, sodass ich auch etws für meinen Teint getan habe. Leider, als ich vor einigen Tagen abends nach Hause kam, war Filippo nicht mehr da. Ich suchte ihn überall, hatte Angst, dass er eventuell runtergefallen sei, aber ich konnte Filippo weder auf den unteren Terrassen noch auf der Straße sehen. Meine Nachbarin sagte mir schließlich, dass er wohl schon einige Flugversuche auf der Terrasse unternommen hatte und ihn schließlich mit seinen Eltern auf dem Dach sah. Tatsächlich sind die Möwen nun nicht mehr auf unserem Dach sondern fliegen ganz normal im Schwarm umher. Wäre Filippo nach unten gefallen, dann hätten wir bestimmt ein Konzert gehabt. Trotzdem ist es schade, dass er nicht mehr da ist, auch wenn die Terrasse jetzt sauber ist, aber irgendwo fehlt jetzt doch etwas und abends meine ich immer seine ganz besonders spezielle Stimme auf der Terrasse zu hören….






Hallo Daniela…
ich finde es wirklich super von Dir/Euch, das Ihr Euch um diese Möwe gekümmert habt.
Und Dein Wissen welches Du über diese Tiere hast ist schon beachtenswert.
>Hut ab<… liebe Daniela
Liebe Grüße
Judith
Hallo Judith,
ist doch logo…:-)