Populonia, die etruskische Stadt im Golf von Baratti

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Populonia, die etruskische Stadt im Golf von Baratti

Populonia, die einzige etruskische Stadt am Meer befindet sich in einer einzigartigen Panoramalage, auf einem steil ins Meer abfallenden Felsen direkt oberhalb des Golfes von Baratti. Die ursprüngliche etruskische Siedlung entstand im 9. Jahrhundert v. Chr. auf der Anhöhe Poggio Telegrafo unter dem Namen Fufluna oder Pupluna , wovon noch die heute Ausgrabungen der Hütten zeugen. Pupluna war eine der 12 etruskischen Stadtstaaten des damaligen, von Lucumone regierten antiken Etruriens.

Blick von der Akropolis auf das mittelalterliche Zentrum von Populonia

Populonia entstand aufgrund seiner Nähe zur Insel Elba – von den Griechen als Aithalìa und später von den Römern als Ilva, die Rauchinsel bezeichnet – wo Eisenerz abgebaut wurde und von dort aus auf das Festland, nach Populonia, gebracht wurde. Hier wurde das Eisenerz entweder direkt verarbeitet – wovon noch heute die Ausgrabungen der Öfen im Strandbereich vor Baratti zeugen – oder aber weiter transportiert. Populonia entwickelte sich somit zu einem wichtigen Umschlagplatz  für den Handel im Mittelmeer und der Tyrrhenischen Küste.

Blick auf die Ausgrabungen der antiken Öfen am Strand von Baratti, nahe des etruskischen „Industriegebietes“

Im 6. Jahrhundert vor Christus erlebte Populonia seine höchste Blütezeit. Anhand der Ausgrabungen hatte der Ort tausende Bewohner, deren Leben sich in der Akropoli im oberen Hügelbereich abspielte, während das Industriezentrum sowie auch die Nekropolis sich in Hafennähe befanden. Als die Römer im 1. Jahrhundert vor Christus Einzug hielten, genoss die Stadt als Alliierter von Rom über eine gewisse Autonomie. Von diesem Reichtum zeugen heute die Ausgrabungen in der Akropolis im Archäologiepark Parco Archeologico direkt gegenüber dem Eingang des heutigen, noch übrigen mittelalterlichen Zentrums, von Populonia. Direkt neben dem Museumsgebäude ist noch die alte Römerstraße sichtbar, die wohl zu den Tempeln führte, die erst jüngst ans Tageslicht gebracht wurden.

Blick auf die Akropolis vom Wachturm der mittelalterlichen Altstadt Vetulonias

Das Ende Populonias als florierende Handelsstadt wurde durch den Krieg gegen Silla besiegelt, der die Stadt fast komplett zerstörte. Die Stadt erholte sich nicht mehr sondern wurde durch immer wieder andauernde Piratenangriffe noch weiter geschwächt. Es entstand somit etwas weiter südlich ein neues Zentrum namens Popolino, kleines Populonia, das heutige Piombino (etwas verkannt und einfach nur als Hafen nach Elba bekannt, aber mit einem sehr schönen historischen Zentrum).

Piombino- Blick auf die Piazza Bovio mit der Insel Elba im Hintergrund

Die zahlreichen Zerstörungen sowie die Schlacken, die sich über die Jahrhunderte hinweg andauernde Erzverarbeitung angehäuft hatten, überdeckten langsam all das, was die Etrusker und später auch die Römer geschaffen hatten. Ganze Schlackenhügel, die später mit mediterrander Vegetation bewachsen waren, versteckten somit über Jahrhunderte die weit entwickelte etruskische Kultur – wo sogar auch Frauen Wahlrecht hatten und die bei Tafel anwesend waren – die von den Römern zerstört wurde.

Die mittelalterliche Festung von Populonia

Obwohl Populonia im Mittelalter fast komplett zerstört war, wurde der Ort als Bischofssitz aufrechterhalten. Davon zeugt das heute noch existierende Zentrum, umgeben von einer antiken Stadtmauer mit Festung und Turm, den man besteigen kann und von dem aus man einen atemberaubenden Blick über die Umgebung sowie die Insel Elba hat. In den nur wenigen, malerischen Gassen Populonias gibt es kleine Handwerks- und Souvenierläden, Bars und Restaurants. Eine Eisdiele gibt es leider nicht! Im Jahre 2001 verzeichnete Populonia offiziell 17 Einwohner!

Blick vom Festungsturm in Populonia

Während des ersten Weltkrieges war der Bedarf an Metall für die Herstellung von Munition so hoch, dass man damit begann, die Schlackenrückstände aus der etruskischen bwz. römischen Zeit mit ihrem hohen Metallanteil zu nutzen. Somit kamen im Laufe der ca. 40 Jahre andauernden Ausnutzung der Schlacken, nach und nach die gut erhaltenen Reste von Gräbern, Gebäuden und anderen Funden zum Vorschein, die bewiesen, dass man hier das antike, etruskische Pupluna gefunden hatte.

Necropoli del Cerbone

Für das Freilichtmuseum des etwa 80 ha großen Parco Archeologico sollte man sich Zeit nehmen, denn ein Besuch dessen reduziert sich nicht auf die halbstündigen Führungen (meist nur auf Italienisch und Englisch) im Zentralbereich der Nekropolis San Cerbone sondern ist viel mehr. In dieser Totenstadt sieht man, welch enorme Wichtigkeit sie den Toten gaben und wie sich die Gräber weiterentwickelten. Mindestens sollte man somit einen halben Tag einplanen. Am besten ist es, bereits am Vormittag da zu sein. Die Führungen beginnen ab 10.30 Uhr morgens bis 13 Uhr sowie ab 14 Uhr im Besucherzentrum, in dem man auch eine Karte mit den eingezeichneten Strecken erhält, die man im Anschluss an die Führung selbst zurück legen kann. Die Wege sind unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrades, allerdings sollte man 1 bis 3 Stunden je nach Strecke einplanen, der Jahreszeit angepasste Kleidung tragen und Proviant dabei haben. Wichtig ist geschlossenes Schuhwerk, denn ein Großteil der Strecken geht durch den im Sommer angenehm kühlen mediterranen Macchiawald.

Necropoli delle Grotte

Wir hatten uns für die Via delle Cave entschieden, von der aus man neben Gräbern und Ausgrabungen sowie der antiken Necropoli delle Grotte traumhafte Ausblicke auf die Landschaft genießen konnte. Diese Strecke ist nicht allzu beschwerlich. Einige Strecken kann man auch später noch ohne Eintrittskarte zurücklegen. Das Eintrittsticket inkludiert auch eine Führung in der Akropolis auf dem Hügel von Populonia, mit der ehemalige römische Siedlung. Hier sollte man darauf achten, dass die Führungen in der Akropolis zu festgesetzten Zeiten sind (10.30, 12.00, 14.30 sowie 16 Uhr).

 

Kleine Stärkungspause

Es gibt in der Necropoli ein Restaurant, Bar sowie Toiletten. Im Hafen von Baratti gibt es ein sehr gutes Restaurant sowie eine Bar mit hervorragendem Eis aus dem nahe gelegenen Cecina! Übrigens waren wir mit unseren beiden Vierbeinern unterwegs, denen es sehr gut gefallen hat. Im Anschluss an den Besuch hat man die Möglichkeit zu baden. Hier eignet sich zum einen die bequeme Variante des Sandstrandes im gegenüberliegenden Golf von Baratti oder aber in Richtung San Vincenzo (Strada della Principessa). Wer vom Wandern nicht genug hat, kann zum Baden zur Felsbucht Buca delle Fate wandern (ca. 20 Min. ab Parkplatz auf halbem Wege von Baratti nach Populonia,nicht für kleine Kinder oder Menschen mit Problemen am Bewegungsapparat geeignet).

Öffnungszeiten des Parco Archeologico di Baratti e Populonia von 10 bis 18 Uhr, von Dienstag bis Sonntag. Montags ist der Park normalerweise geschlossen, mit Ausnahme, handelt es sich um einen Feiertag (z.B. 1. Mai) oder um einen Brückentag. Sehr interessant ist auch die Parcheocard, die das Recht auf ermäßigte Eintritte in den Val di Cornia Parks sowie spezielle Familientarife bietet. Sehr interessant sind darüber hinaus auch der Bergbaupark Parco di San Silvestro, das Archäologische Museum in Piombino, das Museo del Castello e delle Ceramiche Medievali, das Museum der Rocca di Campiglia.

Öffnungszeiten und Preise

Mehr Infos unter:

Parco Archeologico di Baratti e Populonia
Strada Provinciale della Principessa
Loc. Baratti
57021 Piombino (LI)
Tel. + 39 0565 838680 Buchungen unter: +39 0565 226445 oder prenotazioni@parchivaldicornia.it
Fax + 39 0565 838703
http://www.parchivaldicornia.it/

Urlaubsunterkünfte finden Sie auf www.toskana.net oder senden Sie mir einfach eine E-Mail.

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Ein Kommentar

  1. Simon 21. August 2017 um 11:44 Uhr

    Die Wanderwege zwischen Populonia und Piombino sind an vielen Stellen sehr nett. Die Aussicht auf die Inseln vor der Küste ist manchmal beeindruckend und gerade im Frühling hat man die Bucht auch mal fast für sich alleine. Wirklich ein schöner Ort.

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