ANDREA BOCELLI REHEARSAL TEATRO DEL SILENZIO

//ANDREA BOCELLI REHEARSAL TEATRO DEL SILENZIO

ANDREA BOCELLI REHEARSAL TEATRO DEL SILENZIO

Am Freitagnachmittag war endlich der große Tag für das Rehearsal von Andrea Bocelli im Teatro del Silenzio in Lajatico Toskana gekommen, mit dem Titel I Colori dell’Anima. Wir hatten hier, an der südtoskanischen Küste Temperaturen, die um die Mittagszeit die 40°-Grenze überschritten hatten, sodass man an geschlossenes Schuhwerk gar nicht denken mochte. Da ich wusste, dass man relativ weit zu Fuss querfeldein laufen musste, entschied ich mich für bequeme Birkenstock und hatte natürlich – neben Schirm (man weiß ja nie) und Pulli – noch einen etwas eleganteren flachen Schuh in der Tasche…

Wagenkolonne von Besuchern zum Rehearsal in Bocellis Teatro del Silenzio

Wagenkolonne von Besuchern zum Rehearsal in Bocellis Teatro del Silenzio

Nach eineinhalb Stunden waren wir vor der Einfahrt zu einem der Parkplätze, der uns über einige Kilometer staubigen Feldweg bis hin zum „Parkplatz“, der eigentlich ein trockener Acker war, führte. Es empfiehlt sich das Auto nicht vorher zu waschen, da es zum einen keiner sieht, zum anderen es nachher wie nach der Ralley Paris-Dakar aussieht. Auch sollte man auf keinem Fall mit dem offenen Cabriolet hinfahren. Falls Cabriolet, sollte man es direkt nach dem Abbiegen von der Landstraße schließen. Die Trockenheit und enorme Hitze der vergangenen Wochen hatten dem lehmigen Boden sein übriges gegeben; er war rissig, sodass man im Falle von Absätzen die Gefahr lief keinen Halt zu haben bzw. in einem der großen Risse zu enden. Da sowohl für das Rehearsal als auch für das offizielle Konzert keine Kleiderordnung herrscht, stellte ich fest, dass ich wirklich die optimale Wahl getroffen hatte (Sandalen wurden auch nicht ausgewechselt:-)

Mit Birkenstock auf dem Wege zum Teatro del Silenzio Lajatico

Mit Birkenstock auf dem Wege zum Teatro del Silenzio Lajatico

Nach ca. 5 Minuten zu Fuss über die stacheligen, trockenen und staubigen Felder, kamen wir schließlich zur „Auffahrt“ vor dem Eingang, wo bereits eine große Schlange auf den Einlass wartete. An diesem Abend waren etwa 4000 Zuschauer vorgesehen, während zum richtigen Konzert ca. 9000 Besucher erwartet wurden, deren Wagen alle irgendwo in den Feldern parken müssen. Lajatico selbst hat nur 1350 Einwohner, die irgendwie alle bei diesem Event involviert sind. Man muss sich vorstellen, dass jedes Jahr, eigens für dieses Event die Auffahrt neu gemacht wird, dass dort außer dem künstlichen See normalerweise nur Felder sind. Die Feuerwehr versuchte den Staub durch ständiges Spritzen zu verringern, was allerdings nicht den gewünschten Erfolg brachte. Der Boden war einfach zu trocken.

Ich oberhalb des Teatro del Silenzio mit Blick über die atemberaubende toskanische Hügellandschaft

Ich oberhalb des Teatro del Silenzio mit Blick über die atemberaubende toskanische Hügellandschaft

Kurz vor acht wurden endlich die Pforten geöffnet. Die meisten strömten sofort zu den nächsten Stands mit Gadgets, Essen und Trinken, wo man Pizzastücke, Panini, Eis etc. kaufen konnte, so auch wir. Während unseres Essens probierte der brasilianische Gitarrist und Sänger Toquinho bereits und unterhielt somit die Konzertbesucher. Danach gingen wir auf die Suche nach unseren reservierten Plätzen. Wir befanden uns in der 5. Reihe, also relativ weit vorne, sodass man alles recht gut mitbekam. Um 21 Uhr sollte es beginnen, aber in Italien muss man immer ca. 15 Minuten hinzurechnen, sodass die Vorstellung „pünktlich“ – nach italienischer Zeit – gegen 21.15 anfing. Alberto Bartalini, Architekt und langjähriger Freund der Familie Bocelli, gemeinsam mit Alberto Bocelli (ebenfalls Architekt) Schöpfer dieses Naturtheaters und verantwortlich für die Künstlerische Leitung, führte (in italienischer Sprache) locker durch das Programm. Bartalini machte darauf aufmerksam, dass das Orchester Orchestra Sinfonica Abruzzese, unter der Leitung des Stardirigenten Eugene Kohn, aus Aquila stammt und dass jeder der Musiker sein Haus und Familienmitglieder verloren habe. Da meine kleine Kompaktkamera nicht in der Lage war die enormen Lichtunterschiede vom Platz aufzunehmen, hat mein Mann die Fotos mit der Spiegelreflexkamera gemacht. Er war somit „beschäftigt“, in seinem Metier und konnte daneben auch noch die Musik und wie er fand, die tolle Akustik in der Mitte genießen. Ich hingegen, konnte mich voll auf das Konzert konzentrieren. Ich denke, dass man so etwas nicht beim normalen Konzert machen konnte. Alles war sehr locker und vom Platz aufstehen war kein Problem.

Andrea Bocelli auf seinem Pferd, das den See umrundet

Endlich, das Licht ging aus und man hörte das meditative Läuten und Trommeln der buddistischen Mönche der Lama Tzong Khapa Group, die ganz in der Nähe ihren Sitz haben und den Einmarsch des Chores begleiteten, die um den künstlichen See, direkt hinter der Bühne eintraten, alles eingerahmt, von der herrlichen toskanischen Hügellandschaft, die den Hintergrund dieses einmalign Szenarios bildete. Danach wurde eine Poesie verlesen, die von einem Reiter und seinem Pferd handelte, der durch seine geliebte toskanische Hügellandschaft reitet; man sah schließlich hinter dem See den schatten eines Reiters erscheinen, der elegant zwei Mal den See umrundete und schließlich auf der Bühne halt machte: der Reiter war Andrea Bocelli, in schwarzer Hose und leuchtendem, pinkfarbenem Hemd.

Andrea Bocelli singt im Duett mit Sabina Cvilak "La Bohéme"

Andrea Bocelli singt im Duett mit Sabina Cvilak „La Bohéme“

Es war beeindruckend, einfach da brividi; tatsächlich lief mir ein Schauer nach dem anderen durch den gesamten Körper, so faszinierend war das Ganze und dann, schließlich – Andrea stieg vom Pferd, wurde nach vorne geführt – der klassiche, musikalische Auftakt mit Puccinis „Tosca„, gefolgt von „O, Paradiso!“ und schließlich „Carmen“ in Begleitung der englischen Halbsopranistin Katherine Jenkins, die in ihrem weißen Ballonkleid wie ein kleiner, blonder Engel aussah und stimmlich mehr als beeindruckend war. Danach sang Andrea noch weitere Stücke aus der Gioconda, bis er schließlich bei Puccinis „La Bohéme“ von der slowenischen Sopranistin Sabina Cvilak begleitet wurde. Die Bühnenshow wurde untermalt von Balletttänzern und Seilakrobaten. Im Anschluss darauf hätte das Duett „Au fond du temple saint“ mit Placido Domingo folgen sollen, was aber schließlich von Bocelli alleine gesungen wurde, da Domingo nur am Samstagabend anwesend war.

Der Brasilianer Toquinho

Der Brasilianer Toquinho

Nach einer 15-minütigen Pause ging es weiter mit der „Aida“ von Giuseppe Verdi, gefolgt von Andrea Bocelli am Klavier mit einer Poesie an seinen Vater, ummalt von Tänzern. Schließlich ein weiteres Duett mit Sabine Cvilak („Duetto delle Ciliegie“ aus L`amico Fritz von Mascagni). Danach überrascht der Brasilianer Toquinho das Publikum mit einem melodischen „Samba della Rosa„. Danach sangen Bocelli und Toquinho noch zwei weitere Duette.

Andrea Bocelli erweist sich auf Andrea Griminellis Querflöte als guter Querflötenspieler

Andrea Bocelli erweist sich auf Andrea Griminellis Querflöte als guter Querflötenspieler

Schließlich der beeindruckende Auftritt des Querflötenspielers Andrea Griminelli mit „Ciarda„, gefolgt von „Il volo del Calabrone“ und schließlich noch in Begleitung für Bocelli, der sich auch selbst als guter Querflötenspieler erwies.
In der Zwischenzeit war starker Wind aufgekommen und während Bocelli schließlich auf dem Höhepunkt von Granada, dem vorletzten Stück war, fing es an zu regnen (tatsächlich bedrohten dunkle Wolken den Himmel bereits bei unserer Ankunft). Es kam so plötzlich, dass man einfach nur perplex war. Weniger aber die Musiker, die eiligst – wie im Film – mit ihren Instrumenten von der Bühne stürmten. Binnen weniger Sekunden war die Bühne leer, nur noch die Stühle waren geblieben…

Singing in the Rain

Singing in the Rain

Ich hatte ja zum Glück meinen Schirm in der Tasche und spannte diesen erst einmal auf. Die Minuten vergingen und Alberto Bartalani kündigte schließlich an, dass das Konzert aufgrund des Regens leider zu Ende sei. Ja, das besondere des Teatro del Silenzio ist eben einfach der herrliche Blick auf die Landschaft, der nicht von einer Bühnenüberdachung überdeckt werden soll. Wir wollten noch ein wenig warten, da man nicht mit der Masse das Gelände verlassen wollte. Gerade als wir uns auf den Wege machen wollten, hörte der Regen auf. Ein heftiger Applaus lies Bartalani zurück zur Bühne kommen, der versprach, die Musiker zurückzuholen und uns um eine Viertelstunde Geduld bat, da Mikrofone und Instrumente wieder komplett aufgebaut werden mussten. Nach getaner Arbeit begann Bocelli erneut mit „Granada„.

Andrea Bocelli mit Sabina Cvilak und Katherine Jenkins "Tace il Labbro"

Andrea Bocelli mit Sabina Cvilak und Katherine Jenkins „Tace il Labbro“

Danach folgte der Höhepunkt mit „Tace il labbro“ aus der lustigen Witwe, gemeinsam mit Katherine Jenkins und Sabine Cvilak. Am „richtigen“ Konzert ist auch Placido Domingo dabei mit von der Partie. Das sollte es eigentlich sein, Bocelli verabschiedete sich gemeinsam mit den beiden Sängerinnen. Schließlich hörte man noch ein unverständliches (wir saßen ja vorne und konnten es somit hören): <<„wir haben es noch nie zusammen gesungen und das hier ist die einzige Möglichkeit„>> und plötzlich Andrea kam mit Katherine Jenkins zurück auf die  Bühne, um die geplante Zugabe „Time to say goodbye“ zu singen, ursprünglich im Duett mit Sarah Brightman gesungen. Zwar hatte Katherine Jenkins am Anfang ganz leichte Probleme, hatte sich aber sofort gefangen. Ein wunderschöner Abschluss. Es war wirklich „una serata da brividi„.
Wer Andreas Musik liebt, da lohnt auch auf jedem Fall das Rehearsal, auch wenn es auf den ersten Blick als teuer erscheint. Toll war, dass es wirklich sehr locker war, man aufstehen konnte, alles Dinge, die bestimmt am wahren Konzertabend nicht möglich sind. Trotzdem möchte ich mir 2010 Andrea Bocellis letztes Konzert im Teatro del Silenzio möglichst nicht entgehen lassen. Ich hoffe, dass ich rechtzeitig vom Vorverkauf erfahre und mir somit diesmal die Karten sichern kann.

Weitere Artikel
Artikel Andrea Bocellis Teatro del Silenzio
Teatro del Silenzio 2009

Weblinks
Offizielle Webseite Teatro del Silenzio
Urlaub Toskana und Navi-Probleme

About the Author:

Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

5 Kommentare

  1. Hermann-J. Baldes 28. Juli 2009 um 12:39 Uhr

    Frau Braun schreibt in ihrem Artikel, 2010 sei das letzte Konzert von Andrea Bocelli in Lajatio. Von dieser Information weiß selbst die Agentur des Künstlers nichts. Woher kommt die Nachricht?
    Hermann-J. Baldes

  2. Barbara 29. Juli 2009 um 11:03 Uhr

    Das klingt ja alles super spannend. Ich will da schon seit Jahren hin und habe es leider noch nie geschafft, Tickets zu bekommen.
    Nächstes Jahr werde ich es unbedingt wieder versuchen. Aber die Organisation rund herum scheint ja wirklich sehr typisch italienisch zu sein, eben „Maniera Italiana“ :-). Danke für die blumige Beschreibung und dank der Bilder konnte man sich das hervorragend vorstellen. Ciao ciao. Barbara

  3. Daniela Braun 29. Juli 2009 um 14:32 Uhr

    Sehr geehrter Herr Baldes,
    diese Informationen kann man bereits seit 2005 aus der italienischen Presse entnehmen. Es handelt sich um ein Projekt, von mittelfristiger Dauer, dh. 5 Jahren, sollte es nicht verlängert werden. Das Projekt wurde gemeinsam von Andreas Bruder Alberto, dessen Freund Alberto Bartalani sowie dem Bürgermeister Fabio Tedeschi ins Leben gerufen. Die Idee war, die Umgebung, die so genannten Colline Volterrane, touristisch zu fördern (Promozione Turistica heißt das auf Italienisch) eine Landschaft, der Andrea innerlich sehr verbunden ist. Im Jahre 2005 war die Vorstellung des Projektes „Teatro del Silenzio“ und 2006 das erste, von insgesamt 5 Konzerten. Niemand, selbst Andrea nicht, hatte eine Ahnung, dass dieses Konzert zu einem solch speziellen Event werden würde. Dh. 2010, sollte Herr Bocelli sich nicht anders entscheiden, dürfte das letzte Konzert sein. Ich glaube, dass es sowohl von den Einheimischen als auch von den Bocelli-Fans mehr als begrüßt werden würde, falls er dieses Projekt verlängern würde. Ein ganz besonderer Jahresevent, der bestimmt niemals an Faszination für das Publikum verlieren würde.

    Sollten Sie der italienischen Sprache mächtig sein, so habe ich diesbezüglich auch einige Online-Artikel aus ernstzunehmenden Quellen für Sie aufgelistet:

    Region Toscana:
    http://www.regione.toscana.it/regione/export/RT/sito-RT/Contenuti/sezioni/cultura/spettacolo/visualizza_asset.html_1588188210.html

    Tageszeitung La Nazione:
    http://lanazione.ilsole24ore.com/pisa/2009/07/18/207111-sciolgono_grande_applauso_timori_3mila_cielo_plumbeo.shtml

    Tageszeitung Il Tirreno:
    http://iltirreno.gelocal.it/dettaglio/quel-concerto-stato-rischio/1683932?ref=search

    Webseite:
    http://www.viviversilia.it/index.php?option=com_content&task=view&id=1677&Itemid=1

    MfG
    Daniela Braun

  4. Birgit Faller 4. März 2012 um 21:53 Uhr

    Liebe Daniela,
    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Wie kommt man denn zu Tickets für die Generalprobe? Das würde mich sehr interessieren.
    Vielen Dank und liebe Grüsse,
    Birgit

  5. Daniela Braun 26. April 2012 um 15:32 Uhr

    Man kann die Tickets auf Ticketone bestellen. Das Hauptkonzert ist schon seit Monaten „sold out“, aber es gibt noch Tickets für die Generalprobe, die am 11.07.2012, um 21 Uhr stattfindet. Diese Tickets findest Du unter diesem Link. Das diesjährige Event in Andrea Bocellis Naturtheater wird wohl im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr klassisch.

Hinterlassen Sie einen Kommentar