Bis vor wenigen Jahren war der Vintagebike-Event Eroica für die meisten Italiener kein Begriff. Als mein Mann ein Liebhaberrennrad erwarb, wurden wir zum ersten Male wissentlich mit dem Begriff Eroica konfrontiert, denn dieses 80er-Jahre-Rad war für das Vintageradrennen geeignet. Daraufhin besuchten wir einige Male das Rennen und schließlich hatte ich die Möglichkeit in diesem Jahr als Blogger unter den Presseleuten die Eroica hautnah mitzuerleben.
Als wir am Samstag in Gaiole ankamen, war der kleine Hügelort bereits mit Radfans gefüllt und es war fast unmöglich einen Parkplatz zu bekommen. Es ist allzu offensichtlich, dass die Eroica von Jahr zu Jahr berühmter wird. So hat sich der anfangs eher kleine Flohmarkt mit Vintagefahrradartikeln jeder Art, wo man eigentlich alles rund um die Vintagefahrradwelt bekommt – vom Ersatzteil über antike Fahrradzeitschriften, Fotos, Kleidung, RadmechanikerSchuhmacher, die den ältesten Radschuh wieder tragbar machen etc. – zu einem wahren internationalen Liebhabermarkt der Szene gewandelt. Hier kann man sich am Vortag des Rennens themenentsprechend und passend für das Rad einkleiden oder auch ein Rad erwerben. Die Gassen sind gefüllt mit kuriosen Typen, die an vergangene Zeiten erinnern und wenn man die Augen öffnet, sieht man hier und da auch berühmte Persönlichkeiten sowie Radlegenden. Bei einem Eis oder Cappuccino in einem der Cafès in der Hauptpiazza Ricasoli des Ortes kann man dem kuriosen Treiben entspannt zusehen. Ausstellungen, Meetings etc. rund um Vintagefahrradwelt finden im zentralen Palazzo Ricasoli statt. Überall kann man lokale Köstlichkeiten und auch natürlich den Chianti-Wein verkosten.

Flohmarkt Eroica 2014

Flohmarkt Eroica 2014

Ein absolutes Must ist das Heldenabendessen Cena degli Eroici am Vortag des Rennens, wo man bei typischen Köstlichkeiten die Möglichkeit hat, die Teilnehmer kennen zu lernen, sich mit diesen Auszutauschen sowie stellt die Organisation besondere Teilnehmer vor, wie beispielsweise den mit 83 Jahren ältesten Teilnehmer. Eroica bedeutete bisher für mich den Hauch der Vergangenheit zu schnuppern. Da hat man recht fesche Typen, tipi fighetti – wie der Toskaner sagen würde – mit Knickerbockern, weißen Hemden, Westen und gezwirbelten Schnurrbärten vor Augen, die am Nachmittag auf ihrem antiken Fahrrad die Ziellinie überqueren. Nur wenig weiß der Besucher von den tatsächlichen Strapazen, nicht nur der Anstrengung aber auch der Gefährlichkeit, welche man auf der Strecke mit solchen Rädern durchmachen muss.