Weihnachten in der Toskana

//Weihnachten in der Toskana
  • Natale

Weihnachten in der Toskana

Ähnlich wie in Deutschland ist auch in Italien das Fest der Liebe und der Familie. Dies macht auch das Sprichwort „Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi“ deutlich, was soviel heißt wie Weihnachten mit der Familie und Ostern mit wem man möchte.

Riesenweihnachtsbaum direkt nach dem Schmücken

Wie bereits in meinem vorigen Artikel berichtet, wollten wir in diesem Jahre Weihnachten und Silvester in Italien, im Kreise der italienischen Verwandten und Freunde verbringen. Daher hatte mein Mann einen riesigen Weihnachtsbaum gekauft, der ca. 3 m hoch war und gerademal eben in das Wohnzimmer passte (auch dank Möbelumstellungen), er aber glücklich wie ein kleines Kind war (bzw. während meines Artikelverfassens noch ist). Es handelte sich tatsächlich um den größten Weihnachtsbaum, den ich bisher in einer Wohnung gesehen hatte, sodass unsere Christbaumkugeln, Lichter etc. natürlich nicht ausreichten.  Da nun einmal mein Mann sich diesen Riesenbaum ausgesucht hatte, sollte er sich auch um das Schmücken kümmern bzw. um die Besorgung des fehlenden Christbaumschmuckes. Meine Worte, sich bitte an meine Wunschfarben (créme und gold) zu erinnern bzw. keine bunten Blinkelampen zu kaufen, wurden leider nicht erhört sondern ganz nach männlicher (italienischer) Phantasie, mit Erinnerung an die Kindheit, wurden in erster Linie rote (rot ist für ihn die Farbe für Weihnachten!) Kugeln verschiedenster Art, teilweise aus Gold oder mit Silber gekauft. Der Schlag traf mich allerdings beim Anblick riesiger, mit Samt sowie Spiegelstücken und weiteren Glitzerpartikel überzogenen Kugeln, die mich ein wenig an eine typische Zigeunertracht  erinnerten und meiner Meinung sehr gut in eine rustikale Datscha gepasst hätten… Insgesamt hatte er 1200 kleine, an Lichterketten befestigte elektrische Kerzen in roter und gelber Farbe gekauft, die natürlich, je nachdem wie man schaltete, mal schneller und mal weniger oder überhaupt nicht, blinkten! Traditionell italienisch wurde der Baum am 8. Dezember geschmückt und ja, auch wir hatten – sagen wir einmal fast traditionell italienisch – in diesem Jahr einen Blinkebaum. Wichtig war auf jeden Fall, dass ich einen glücklichen Ehemann habe, der jedesmal, wenn er nach Hause kommt überglücklich über dieses Weihnachtsgefühl vermittelnde Etwas ist. Tatsächlich verfehlte er seine Wirkung nicht und mein Mann erhielt immens italienische Bestätigung: von Mamma mia che albero, über Oh, ma qui è davvero Natale bis hin, zum unserem kleinen Nachbarsjungen, der ganz begeistert vor dem Baum stand und sich nicht sattsehen konnte.

Die besagte Christbaumkugel für die Datscha

Zwischen dem Immacolata-Feiertag des 8. Dezember und dem 24. Dezember fand der große Weihnachtseinkaufcountdown der Italiener statt. Insbesondere an den Wochenenden waren die Läden voll und an den letzten beiden Tagen vor Weihnachten konnte man fast den Supermarkt nicht mehr betreten. Hastig kaufte la mamma noch alles zusammen, füllte Kühl- und Gefrierschrank, die fast überquollen, damit die Familie am 24. der Vigilia und am 25. Santo Stefano die zahlreichen Gänge verkosten konnte. Zwar ist der 24. Dezember noch ein ganz normaler Arbeitstag, allerdings ist es Tradition sehr lange – im Süden bis Mitternacht – zu speisen, da es am 25. die Geschenke gibt. Fisch, insbesondere Hummer und Austern sind während dieser Tage der Renner. Am 25. Dezember, Santo Stefano trifft sich die Familie dann wieder zum gemeinsamen, bis zum Nachmittag andauernden mehrgängigen Mittagessen. In der Toskana sind u.a. Tortelli möglichst mit Wildschweinragout als Vorspeise der Renner. Beim Nachtisch dürfen u.a. frisches Obst, Trockenobst (insbesondere Feigen und Datellen) sowie Nüsse (hauptsächlich Walnüsse und Mandeln) nicht fehlen. In Kalabrien ist es Tradition getrocknete Feigen in der Mitte durchzuschneiden und mit einer Mandel oder Walnuss zu füllen und dieses „Feigensandwich“ dann auf Tellern angerichtet zu servieren (köstlich!). Auch Torrone , den es in den unterschiedlichsten Härtestärken gibt, ist ein absolutes, weihnachtliches „Muss“. Es handelt sich hier um eine Zuckermasse, mit oder ohne Schokolade, die meist mit ganzen Mandeln gefüllt ist. Man findet sie im Handel entweder in Tafelform oder bereits in Stücke geschnitten und als Bonbons verpackt.

Weihnachtslichter in der Piazza

Da wir, aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse, die fast ganz Italien zum Erliegen gebracht hatten (es gab sogar zahlreiche Engpässe in den Supermärkten, da Ware nicht geliefert werden konnte), am Heiligabend ohne italienische Familie waren, entschieden wir uns für einige leichte Antipasti sowie einen Primo mit einer ganzen Hummer zu zweit sowie gab es einen köstlichen Nachtisch (Cassata und verschiedene Sorten Torrone) aus unserer bevorzugten Sizilianischen Konditorei. Am 25. konnten wir die Einladung von Freunden genießen. Silvester feiert man entweder mit Freunden Zuhause oder sehr angesagt ist auch das Mieten einer Ferienwohnung oder eines ganzen Hauses in der Toskana oder aber im Restaurant, schick gekleidet und meist mit Livemusik. Wie am Heiligabend in Süditalien, wird an Silvester ein Gang nach dem anderen, möglichst bis Mitternacht gegessen. Nicht fehlen dürfen (neben dem Tragen von roten Dessous) keinesfalls Zampone (gefüllter Schweinsfuss) oder Cotecchino mit Kartoffelpüree und Linsen. Angeblich sollen Linsen zu Reichtum verhelfen.

Vor den Saldi Sonderpreise

Nach Silvester ist Weihnachten noch nicht zu Ende. Am 6. Januar endet die Weihnachts- und Geschenkezeit mit der Befana (dt. Heilige 3 Könige). In der Nacht zum 6. kommt die Befana durch den Schornstein und bringt den lieben Kindern einen Strumpf mit Süßigkeiten sowie anderen Kleinigkeiten und den bösen Kindern einen, mit Kohle gefüllten Strumpf. Nach Weihnachten sind viele Schaufenster daher traditionell mit gefüllten Strümpfen geschmückt. Nach dem 6. Januar wird auch der Weihnachtsbaum – zum Leidwesen meines Mannes – wieder abgeschmückt… Ach ja, mit dem 6. Januar beginnt auch der Winterschlussverkauf, sprich Saldi Invernali, die wirklich lohnenswert sind. Der Flughafen Pisa liegt sehr zentral und man kann sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut bewegen. Möchte man in die Outlets so hat beispielsweise das riesige Outlet im Mugello 2 Mal am Tag eine Busverbindung von Florenz!

Interessante Links:

About the Author:

Ich lebe seit fast 20 Jahren in der Toskana, die ich aufgrund meiner Arbeit wie meine Westentasche kenne. Entdecken Sie gemeinsam mit mir die Schönheiten, exzellente #Wein, köstliches #Essen & #Rezepte aus der #Toskana und #Italien, die wichtigsten #Events für Ihren #Urlaub in der #Toskana

Hinterlassen Sie einen Kommentar