Weihnachten in Italien

//Weihnachten in Italien

Weihnachten in Italien

Schlemmen, Schlemmen und noch vielmehr Schlemmen, das ist Weihnachten in Italien und somit nicht gerade das, was man als eine perfekte Dieta Mediterranea bezeichnen könnte. Das genau das Gegenteil der Fall ist, konnte ich selbst am Anfang meiner Italienkarriere am eigenen Leibe Erfahren, denn je nachdem ob Nord- oder Süditalien, gibt es doch große regionale Unterschiede. Zwar ist überall in Italien der 24. Dezember noch ein ganz normaler Arbeitstag, doch gibt es hier in der Toskana in fast allen Familien am Abend ein mehrgängiges Menü. Der erste Weihnachtsfeiertag hingegen ist der wichtigste Feiertag, denn die gesamte Familie speist gemeinsam zu Mittag. Bei einem sehr traditionellen toskanischen Weihnachtsmenü  dürfen als Antipasti die Crostini Toscani nicht fehlen. Es handelt sich hier um ein Paté, welches aus Hühnerleber, Suppengemüse und Vinsanto zubereitet und auf Röstbrot serviert wird. Danach folgt ein Brodo con Cappelletti, eine Hühnerbrühe, wozu meist der Knurrhahn verwendet und die bereits am Vortag zubereitet wird. Das Hühnerfleisch wird für die Füllung der Cappelletti – eine gefüllte, tortellini-ähnliche Pasta – verwandt. Der Hauptgang besteht traditionell aus Arista al Forno con Patate, Schweinerücken mit Ofenkartoffeln. Abgerundet wird das Ganze mit dem typischen toskanischen Weihnachtsgebäck wie Panforte, Ricciarelli, Cantuccini, in Begleitung eines Vinsanto. Am 26. Dezember, dem Santo Stefano, ist man entweder unterwegs oder bei Verwandten eingeladen.

Panforte aus Siena

Panforte aus Siena

Ganz anders ist es allerdings im süditalienischen Neapel. Traditionell gibt es am Heiligabend in den neapolitanischen Familien ein komplettes Fischmenü, wo ein Polpo (Krake), Capitone (dicker weiblicher Aal) und Baccalà keinesfalls im Menü fehlen dürfen. Wie anders Neapel im Vergleich zum „Norden“ ist, musste ich Anfang der 90er Jahre am eigenen Leibe erfahren, als ich zum ersten Mal die Familie meines Mannes besuchte. Bereits Tage vor Heiligabend waren Mutter, Oma und Tante mit den Vorbereitungen des Weihnachtsmenüs beschäftigt. Was mir völlig unverständlich war, sollte sich allerdings als berechtigt herausstellen. Als wir bei Zi‘ Rosaria ankamen, war alles schon bereit, der Tisch im Esszimmer gedeckt, während die Küche vor Spezialitäten aus allen Nähten zu platzen schien. Auf dem Herd köchelte noch ein riesiger Krake in seinem eigenen Sud vor sich hin, dessen Arme durch das Kochen auf und ab bewegten. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich so etwas „Live“ auf dem Herd und prompt bekam ich auch etwas von dem Brodo di Polpo, der Krakenbrühe zum Trinken angeboten (wärmt sehr!). Zum damaligen Zeitpunkt war ich zwar schon etwas weiter als „nur Fischstäbchen“, allerdings war eine Krakenbrühe und all das was damit zu tun hat, nun doch etwas zu viel. Schließlich wurde ein Gang nach dem anderen gegessen, irgendwann hörte ich auf zu zählen und wir aßen, bis es fast Mitternacht war. Der Süditaliener liebt gutes Essen, ja man kann hier wirklich behaupten, dass die Liebe durch den Magen geht. Ist man Gast in einer süditalienischen Familie, so zeigt sich diese von ihrer besten Seite. Sollte es vorkommen, dass man etwas nicht mag, so versucht der Süditaliener einem davon zu überzeugen, dass man sich geirrt hat und dieses hier viel besser als das jemals vorher Gegessene ist. Bald war mir klar, dass ich das Probieren von rohem Fisch, Capitone & Co. nicht ablehnen konnte, es sei denn, ich hätte einen wirklich triftigen Grund: eine Allergie! Tatsächlich funktionierte mein „mi dispiace sono allergica“ (tut mir leid, ich bin allergisch), allerdings bekam ich bei all den „Allergien“ natürlich noch ein Zusatzhäppchen von den anderen „verträglichen Gerichten“, falls ich nicht satt werden würde. Damals wusste ich noch nicht, dass man die Gerichte bei einem so großen Essen oder auf Hochzeiten nur verkosten und den Rest leider auf dem Teller lassen sollte. Artig „Deutsch“, auch nach dem Motto, es könnte ja schlechtes Wetter geben, wurde somit fast alles, bis auf die „Allergiegerichte“ aufgegessen, immer mit einem Funken Hoffnung, dass dieser nun endlich der letzte Gang sein würde. Schließlich, kurz vor Mitternacht, pünktlich für die Geschenkevergabe gab es das letzte Dessert.

kochender Polpo - Krake

Am nächsten Tag waren wir wieder bei Zia eingeladen. Auch diesmal erwartete uns ein mehrstündiges und mehrgängiges Mittagessen, allerdings auf Fleischbasis mit Spezialitäten wie z.B. einer neapolitanischen Lasagne oder Lamm, sagen wir einmal Sugo- und Ofengerichte, die man gut vorbereiten konnte. Nach 3 Tagen Neapel war ich froh wieder die Rückreise zu einer normalen Ernährung antreten zu können. Ein Jahr später in Deutschland, machte mein Mann eine ganz andere Erfahrung: in der Erwartung auch hier ein niemals endendes Menü vorzufinden, naschte er von Antipasti, Vor- und Hauptspeise jeweils nur und dann gab es schon das Dessert! Wenigstens musste er sich nicht über zusätzliche Kilos beklagen. Andere Länder, andere Sitten.

In diesem Jahr hatte ich nun „Napoli“ zu Gast, zwar gab es keinen derartigen Essmarathon, allerdings hat der Körper selbst heute, an Silvester noch damit zu kämpfen. Auch am 31. Dezember wird möglichst bis Mitternacht gespeisst, sodass man dann das neue Jahr wirklich nur mit den besten Vorsätzen beginnen kann. In diesem Sinne: Buon Anno Nuovo!!!

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2016-12-07T13:19:34+00:00 31 Dezember 2015|Categories: Aus Italien|Tags: , , |0 Kommentare

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